Diversity in Unternehmen

Unser LGBTI*-Netzwerk Proud@SWM

01.07.2021 | Bei den SWM sollen sich alle – unabhängig von der sexuellen Identität und Orientierung – akzeptiert und integriert fühlen. Dazu will das konzernweite LGBTI*-Netzwerk Proud@SWM beitragen. Im Interview spricht das Kernteam über die Aufgaben, Ziele und Erfolge des Netzwerks.

Film zur Pride Week 2021: Wir alle sind die SWM

Proud@SWM

SWM Netzwerk für Lesben, Schwule, Bisexuelle Trans und Inter*

Proud@SWM ist aus einer regelmäßigen Mittagsrunde von 12 schwulen Kollegen der SWM, MVG und M-net hervorgegangen.  Inzwischen sind rund 40 Mitarbeiter*innen dabei – hauptsächlich schwule und lesbische Kolleg*innen, aber auch sogenannte Allys (Verbündete einer diskriminierten Gruppe).

Ziel von Proud@SWM ist es, dass sich alle in den Unternehmen des SWM Konzerns akzeptiert und integriert fühlen.  Das Netzwerk setzt sich für eine offene Unternehmenskultur sowie eine angst- und diskriminierungsfreie Arbeitsatmosphäre ein. Als Ansprechpersonen und Kommunikator*innen für alle LGBTI*-Themen unterstützen die Mitglieder sowohl Kolleg*innen als auch Führungskräfte bei Problemstellungen und Konflikten.

Durch eigene Veröffentlichungen und Veranstaltungen sowie die Präsenz in den verschiedenen Unternehmensforen möchte Proud@SWM das Bewusstsein aller Kolleg*innen im Hinblick auf gegenseitigen Respekt und Akzeptanz schärfen und die bereichsübergreifende Vernetzung vorantreiben.

Was bedeuten Proud und LGBTI*?

Pride und Proud sind Begriffe aus der Lesben- und Schwulenbewegung. Sie sollen den selbstbewussten bzw. selbstachtenden und damit stolzen Umgang mit der eigenen sexuellen Orientierung und Identität beschreiben. Stolz bedeutet in diesem Zusammenhang: So sein, wie man ist, sich nicht vor anderen verstecken (müssen) und auch nicht für andere verstellen.

LGBTI* ist die international übliche Abkürzung für die Community der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans (Personen, die jenseits des Geschlechts leben, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde) und Inter* (Personen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht eindeutig zugehörig fühlen).

Interview mit dem Proud@SWM Kernteam

Wie seht ihr eure Aufgabe im Unternehmen?

Michael Silva: Es geht zuallererst um Sichtbarkeit – „Wir alle sind die SWM“. Aber auch darum, Ansprechpartner*innen zu sein für Mitarbeitende und Führende. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass bei den SWM ein angst- und diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld herrscht und sich alle im Unternehmen willkommen und angenommen fühlen.
 

Welche Rückmeldungen bekommt ihr von den SWM Mitarbeiter*innen?

Gunnar Stöckle:  Wir bekommen viel positiven Zuspruch über alle Unternehmensbereiche hinweg. Auch der Personalgeschäftsführer lobt unsere Arbeit und fordert uns auf, "lauter" zu sein. Und es gibt erste Ideen für gemeinsame Aktionen, z. B. dass wir beim Christopher Street Day  mit einem eigenen Truck teilnehmen. Dieses Jahr ist das wegen Corona leider nicht möglich gewesen, wir hoffen jetzt auf 2022.
 

Was sind Beispiele für Konflikte, zu denen ihr angesprochen werdet?

Martina Hertel:  Während der Pandemie gab es einen Fall, wo es darum ging, wer kranke Kinder in einer Regenbogenfamilie betreut und welche Zeiten bei wem anerkannt werden. Da hat man gemerkt, dass die geltenden Regelungen zur Kinderbetreuung nur für „klassische“ Familien mit einer Mutter und einem Vater gemacht sind. Das lag dann letztendlich im Ermessen der Führungskraft, hier eine gute Lösung zu finden – was gelungen ist.


Das Proud@SWM Kernteam: Stephan Heiß, Heiner Gnodtke, Martina Hertel, Gunnar Stöckle und Michael Silva (von links nach rechts)

Wie schätzt ihr die Situation bei den SWM ein? Ist das Unternehmen bereits LGBTI*-freundlich?

Heiner Gnodtke:  Insgesamt sind die SWM bereits sehr LGBTI*-freundlich, das bestätigt auch eine interne Umfrage (siehe unten), die wir kürzlich durchgeführt haben. Trotzdem berichten vereinzelt Kolleg*innen von latenter Diskriminierung, die schon bei einem unüberlegten Scherz beginnen kann. Hier wollen wir Aufklärungsarbeit leisten, sowohl bei den Mitarbeiter*innen als auch bei Führungskräften. Verbesserungswürdig ist auch die Außenwahrnehmung der SWM zu diesem Punkt, hier sollten wir auch z. B. in Kampagnen bewusst Diversität zeigen, etwa mit Regenbogenfamilien.
 

Welche Erfahrungen habt ihr persönlich bei den SWM gemacht? Hat eure sexuelle Orientierung im beruflichen Kontext eine Rolle gespielt?

Gunnar Stöckle:  Nein.

Heiner Gnodtke:  Ja, ich habe teilweise schlechte Erfahrungen gemacht, inklusive unangebrachter und diskriminierender Sprüche von Vorgesetzen, als ich 2013 bei den SWM angefangen habe. Ein Outing fiel mir damit zunächst sehr schwer. Das war der Antrieb für mein Engagement. Seitdem hat sich allerdings viel verbessert, auch wenn es da und dort noch einiges zu tun gibt.
 

Was habt ihr bereits erreicht, auf welche Erfolge seid ihr stolz?

Gunnar Stöckle:  Stolz sind wir auf unsere Gründung, den Zuspruch und die Unterstützung von den Kolleg*innen und der Geschäftsführung. Aber auch, dass z. B. der Karrierebereich auf der SWM Webseite mit LGBTI*-Elementen erneuert wurde und das Unternehmen an der LGBTI*-Jobmesse Sticks & Stones teilgenommen hat.

Martina Hertel:  Im Juli, während dem Münchner „Pride-Monat“, sind die M-Bäder mit Regenbogenfahnen beflaggt, das haben wir initiiert. Und auch für die erneute Beflaggung der MVG Trams und Busse haben wir uns eingesetzt.
 

Werdet ihr auch von Seiten des Arbeitgebers angefragt, um zu unterstützen oder zu beraten?

Michael Silva:  Bislang sind es nur vereinzelte Anfragen, aber wir stehen allen Kolleg*innen und der Geschäftsführung mit unserem Wissen und unserem Engagement zur Seite, wenn wir gebraucht werden.

Gunnar Stöckle: Immer häufiger kommen Fachbereiche – vor allem Marketing und Personal – auf uns zu, wenn es um Kommunikationsmaßnahmen geht. Hier freuen wir uns sehr, unterstützen zu können.

Spielt es für die Jobentscheidung eine Rolle, ob ein Unternehmen LGBTI*-freundlich ist oder sogar ein entsprechendes Netzwerk hat?

Stephan Heiß: Ich würde definitiv nicht mehr für ein Unternehmen arbeiten, in dem ich mich als Persönlichkeit nicht offen verhalten kann. Im Vertrieb habe ich mit vielen Geschäftspartner*innen und externen Ansprechpartner*innen zu tun. In Verhandlungen und Gesprächen bringe ich auch viel Persönlichkeit mit ein – das ist letztlich auch ein Erfolgsfaktor.

Michael Silva: Es zeigt sich in vielen Umfragen, dass auch der Umgang mit bzw. das Bekenntnis zur eigenen Vielfalt für Jobsuchende eine große Rolle spielt, vor allem bei jungen Menschen. Denn das ist auch ein Spiegel des Arbeitsklimas. Deshalb sehen wir unsere Rolle nach innen wie auch nach außen.
 

Gendergerechte Sprache wird momentan gesellschaftlich kontrovers diskutiert. Auch die SWM gendern seit einer Weile. Seht ihr das als wichtigen Schritt, um alle Menschen gleichberechtigt anzusprechen?

Stephan Heiß: Gendergerechte Sprache ist dann sinnvoll, wenn sie hilft, sprachliche Diskriminierung bewusst werden zu lassen und damit das Bewusstsein über Kommunikation zu verändern. Das ist absolut wichtig und hilfreich. Wenn man es übertreibt, wird es zum Selbstzweck und persifliert sich. 

Michael Silva: Ja, es ist ein Baustein. Allerdings sollte das Gendern nicht die Verständlichkeit von Inhalten verschlechtern. Es ist eine Gratwanderung, aber ich bin mir sicher, dass wir hier langfristig einen guten Weg finden werden, alle mitzunehmen und immer verstanden zu werden.
 

Warum engagiert ihr euch für das Netzwerk, was wollt ihr erreichen?

Gunnar Stöckle: Eine Studie vom Herbst 2020 fand heraus, dass rund 30 % aller homosexuellen Mitarbeiter*innen in Unternehmen Erfahrungen mit Diskriminierung machten, bei den Trans*-Personen waren es sogar über 40 %. Das ist definitiv zu viel. Zwar sind die SWM hier auf einem guten Weg, dennoch zeigten auch die Ergebnisse unserer Umfrage (siehe unten), dass es durchaus noch Handlungsbedarf gibt. Jeder einzelne Fall von Diskriminierung auf Grund von sexueller Orientierung ist einer zu viel.
 

Welche Ziele habt ihr für die Zukunft?

Michael Silva: Wir möchten aktiv mitgestalten, wie die SWM mit Themen rund um LGBTI* umgehen und auch verbessern, wie sie sich in dem Zusammenhang nach außen darstellen. Und wir wollen die Akzeptanz von Kolleg*innen mit LGBTI*-Hintergrund weiter verbessern. Von einem noch weltoffeneren Arbeitsklima profitieren schlussendlich alle bei den SWM.

Vielen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns, mit Euch die SWM noch bunter zu machen.

Befragung der Mitarbeiter*innen

SWM sind LGBTI*-freundlich

Im März 2021 hat Proud@SWM eine Befragung im SWM Intranet durchgeführt. Sie wollten herausfinden, ob der SWM Konzern als aufgeschlossener Arbeitgeber wahrgenommen wird, ob sich die der LGBTI*-Community angehörenden SWM Mitarbeiter*innen akzeptiert und integriert fühlen und wo noch Handlungsbedarf besteht. Über 500 Mitarbeiter*innen haben teilgenommen, davon 125 aus der Community.

Das Ergebnis: 88 % der Teilnehmer*innen stimmten ganz bis teilweise zu, dass sie den SWM Konzern sowohl nach innen als auch in der Außenwahrnehmung als LGBTI*-freundlich empfinden.

Wir sind also auf einem guten Weg, aber dennoch besteht weiter Handlungsbedarf für Proud@SWM.

Als nächste Schritte plant das Netzwerk unter anderem Maßnahmen für mehr Sichtbarkeit nach innen und außen, z. B. eine regelmäßige Teilnahme bei Veranstaltungen für neue Mitarbeiter*innen und eine Vorstellung bei den Auszubildenden, die Teilnahme beim Christopher Street Day und die Unterstützung der Bewerbung für die Gay Games 2026  in München.

 

 

Auszeichnungen