Wasserschutzwald

Naturnahe Waldbewirtschaftung am Taubenberg

27.05.2021 | Die Klima-Erwärmung und damit verbundene Wetterextreme machen unseren Wäldern zu schaffen. Den Wald gesund, lebendig und widerstandsfähig zu halten, ist eine Mammut-Aufgabe. Wie es funktionieren kann, zeigt die Forstverwaltung der Landeshauptstadt München. Seit Jahrzehnten bewirtschaftet sie unter anderem den Wasserschutzwald der Stadtwerke München. Der Wasserschutzwald ist ein Baustein im Vorsorgekonzept der SWM, das die Qualität unseres Trinkwassers sichert.

Nachhaltige Forstwirtschaft

Mehr als 1.800 Hektar Wald sind in den Trinkwassergewinnungsgebieten im Mangfalltal – im Bereich des  Taubenbergs – und in der Münchner Schotterebene im Eigentum der SWM. Die Bestände sind Teil eines gemeinsamen Wasserschutzwaldes von den SWM und der Landeshauptstadt München. Dieser wird seit Jahrzehnten von der städtischen Forstverwaltung in „Naturnaher Waldbewirtschaftung” nach den Richtlinien des Bioverbandes Naturland bewirtschaftet.

Aus der ursprünglichen Monokultur entstand so ein stabiler Mischwald. Sein Bewuchs und sein Lebensalter sind vielfältig, so dass er eine große Widerstandskraft gegen Stürme und Schädlinge besitzt. Das hält die Böden und ihre Filterwirkung stabil und schützt somit das Grundwasser.
 

Idealer Wasserspeicher

Ein gesunder Mischwaldboden ist auch ein idealer Wasserspeicher, denn gerade die Wurzeln von Laubbäumen und Tannen schaffen – zusammen mit der Tätigkeit der Bodentiere – ein weit verzweigtes Hohlraumsystem, das schnell große Regenmengen aufnehmen und dosiert an den darunter liegenden Grundwasserleiter abgeben kann. Die humusbildenden Bodenschichten haben außerdem eine ausgezeichnete Filterwirkung gegenüber Luftschadstoffen, die im Regen gelöst sind.


Aussichtsturm auf dem Taubenberg inmitten des Trinkwassergewinnungsgebiets Mangfalltal

Lebensraum für zahlreiche Tiere

Die Taubenbergwälder mit ihrem wachsenden Bestand an heimischen Laubbäumen wie Esche, Bergahorn und Buche sowie an heimischen Tannen bieten wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tierarten. Amphibien gehören dazu, z. B. die Gelbbauchunke. Kleine Lichtungen mit Feuchtwiesen bieten ihr die Gewässer, die sie braucht. Quellbäche nutzt der Biber als Revier. Ein außergewöhnlicher Bewohner ist auch der Schwarzstorch, der hier brütet. Er benötigt große ruhige Waldflächen, die es rund um den Taubenberg wieder gibt.

Artenvielfalt in den Wiesen

Weitere seltene Lebensräume bilden die von den Wäldern umgebenen großen Wiesenflächen im Wassergewinnungsgebiet. Sie werden nicht gedüngt und nur ein- bis zweimal im Jahr geschnitten. Die Wiesen gedeihen daher als buschfreie und vielfältige Magerwiesen, deren Böden das Grundwasser ebenfalls wirksam gegen Luftschadstoffe schützen. Die langen Wuchsperioden machen die Wiesen zu einem Raum der Artenvielfalt mit seltenen Pflanzen und Insekten, wie Tagfaltern, Heuschrecken und Bienenvölkern. Diese wiederum bilden die Nahrungsgrundlage für größere Tiere wie Kreuzottern, Fledermäuse und viele andere.

Film über naturnahe Waldbewirtschaftung am Taubenberg

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Mit Ökosiegel ausgezeichnet

Die Forstverwaltung wurde 2015 mit dem Bayerischen Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung ausgezeichnet. Sie ist Mitglied im Naturlandverband und arbeitet nach den ökologischen Naturland-Richtlinien. Der Wasserschutzwald ist zusätzlich nach dem Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert. Das Naturland- wie auch das FSC-Siegel garantieren, dass bei der Waldbewirtschaftung die höchsten ökologischen und sozialen Standards eingehalten werden. Darüber hinaus wird sichergestellt, dass der Wald in seiner ganzen Vielfalt erhalten bleibt.

EMAS-zertifiziertes Unternehmen

Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit sind fundamentale Grundsätze der SWM Unternehmenspolitik. Deshalb haben die SWM ihre gesamte Wassergewinnung der EMAS Zertifizierung unterzogen. EMAS (Eco Management and Audit Scheme) ist ein äußerst strenges Umweltprüfverfahren, das die SWM freiwillig durchführen.

Das von der EU aufgelegte Umweltmanagementsystem stellt die höchsten Anforderungen an die beteiligten Unternehmen und deren Umweltleistungen. Mit der Einbeziehung verpflichten sich die SWM, ihre Umweltziele über die gesetzlichen Anforderungen hinaus jährlich fortzuschreiben und so ihre Umweltleistung kontinuierlich zu steigern. EMAS wurde von der Europäischen Union entwickelt. Die Verordnung regelt ein Gemeinschaftssystem aus Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung, an dem sich gewerbliche Unternehmen und sonstige Organisationen, die ihre Umweltleistungen verbessern wollen, freiwillig beteiligen können.

Auszeichnungen