Gasversorgung

So steht es um die Versorgungssicherheit in München

30.03.2022 | Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat eine künftige verlässliche Versorgung mit Erdgas in Frage gestellt. Denn gut 50 % des Gases in Deutschland kommt aus Russland. Momentan sind die Lieferströme noch intakt, allerdings hat der Kreml eine Einstellung der Lieferungen in den Raum gestellt. Für diesen Winter sollten die Gasvorräte noch reichen, aber für die Heizperiode 2022/23 müssen wir bereits heute Vorkehrungen treffen. Konkret hat der Stadtrat auf unseren Vorschlag die Umstellung des HKW Nord von Kohle auf Gas um ein Jahr verschoben.

Helge-Uve Braun, Technischer SWM Geschäftsführer, zur Versorgungssicherheit

Aktuell ist die Versorgung gesichert

Das Wichtigste vorab: Die kurzfristige Versorgungssicherheit mit Strom und Gas ist in Deutschland momentan nicht gefährdet. Am angespanntesten ist die Situation beim Gas. Die bayerischen Gasspeicher sind noch zu etwa 15 Prozent gefüllt, das sollte für diesen Winter ausreichen. Ob es gelingt, angesichts der schwachen Zuflüsse die Gasspeicher im Sommer ausreichend zu füllen, ist aber noch ungewiss.  

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat am 30. März 2022 die Frühwarnstufe im Notfallplan für die Gasversorgung ausgerufen. Damit soll die Erdgas-Versorgung auch nach einem möglichen Lieferstopp durch Russland gewährleistet werden. Hintergrund ist das Ultimatum Russlands, dass Energielieferungen ab April ausschließlich in Rubel und nicht in Euro oder Dollar zu zahlen seien, was seitens Deutschlands abgelehnt wurde. Daraufhin hatte der Kreml verkündet, dass man die Lieferungen dann einstellen würde. Ob diese Drohung wahr gemacht wird, ist unklar.

Wie alle Netzbetreiber bereitet sich die SWM Infrastruktur und die bayernets jetzt noch intensiver auf eine etwaige Gasmangellage vor. Kurzfristig sind allerdings, wie auch Habeck ausführte, keine Versorgungsengpässe zu befürchten.

Die nun ausgerufene Frühwarnstufe ändert für die Belieferung unserer Kund*innen zunächst nichts. Sollte sich die Situation weiter verschärfen müsste nach dem Krisenplan Gas in der dritten Stufe die Bundesnetzagentur über hoheitliche Maßnahmen wie Abschaltmaßnahmen entscheiden. Wenn es tatsächlich zu einer Gasmangellage käme (§53a EnWG), dann wären Haushaltskund*innen und Wärmeversorger (Heizwerke und KWK Anlagen) besonders geschützt und erhielten weiterhin vorrangig Erdgas. Industrie- bzw. Großkunden würden aufgefordert, ihren Gasverbrauch zu reduzieren. Erst in einem weiteren Schritt würden dann bestimmte Großkunden, wie etwa Industriebetriebe, vom Netz genommen. 

Auftrag der SWM: sichere und zuverlässige Energieversorgung

Die Energiewirtschaft bereitet sich bundes- und europaweit auf Gasknappheit vor. Alle Anstrengungen der Bundesregierung und auch der SWM konzentrieren sich darauf, den kommenden Winter 2022/23 gut zu überstehen. Dr. Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM Geschäftsführung, sagt: „Wir stimmen mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck überein, dass der kurzfristige Fokus energiepolitischen Handelns jetzt vor allem auf der Versorgungssicherheit liegen muss.“

HKW Nord: Umstellung auf Gas um ein Jahr verschoben

Wir hatten geplant, den Kohleblock im Heizkraftwerk Nord zur Heizsaison 2022/23 auf Erdgas umzustellen. Und wir halten nach wie vor daran fest, möglichst schnell aus der Kohlenutzung auszusteigen. Allerdings gehört es jetzt auch zu einem verantwortlich handelnden Energiemanagement, den Erdgasbedarf nicht stark zu erhöhen. Im Sinne der Versorgungssicherheit hat der Münchner Stadtrat daher am 15. März 2022 beschlossen, dass die Umstellung um ein Jahr geschoben wird (Umstellung zur Heizperiode 2023/24). Dies verringert unseren prognostizierten Gasbedarf signifikant, was in diesen Zeiten die Versorgungssicherheit deutlich erhöht. Außerdem planen wir, unsere Heizwerke umzurüsten, dass sie mit Heizöl fahren und im Notfall ohne Gas auszukommen könnten.

„Ebenso stimmen wir mit dem Bundeswirtschaftsminister überein, dass wir uns beschleunigt auf eigene, idealerweise erneuerbare Energiequellen stützen müssen, was unsere energiepolitische Unabhängigkeit stärkt. Wir sehen uns deshalb in unserer langjährigen Strategie bestätigt und werden unsere Ausbauoffensive Erneuerbare Energien und die Fernwärmewende konsequent fortsetzen,“ sagt Florian Bieberbach.

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