Alarmstufe im Notfallplan Gas

So steht es um die Versorgungssicherheit

25.07.2022 | Zur Gewährleistung einer sicheren Gasversorgung gibt es in Deutschland den Notfallplan Gas. Dieser kennt drei Eskalationsstufen. Aktuell gilt die zweite Stufe – die sogenannte Alarmstufe. Wir erklären Ihnen, was das für die Versorgungssicherheit und für unsere Kund*innen bedeutet.

Alarmstufe im Notfallplan Gas

Die Versorgungssicherheit mit Gas ist aktuell gewährleistet, aber angespannt.

Zwar fließt nach Abschluss der geplanten Wartungsarbeiten seit 21. Juli 2022 wieder Gas über die Pipeline NordStream1 von Russland nach Deutschland.  Die Lage bleibt aber weiter ernst, da die Gasflüsse immer noch zu gering sind. Zunächst lagen sie bei 40 % des regulären Liefervolumens, seit 25. Juli 2022 nur noch bei 20 %. Und es bleibt völlig ungewiss, ob die aktuelle Liefermenge in den kommenden Monaten verlässlich ist. 

Vorsorglich hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) bereits am 23. Juni die 2. Stufe im Notfallplan Gas ausgerufen. „Gas ist jetzt ein knappes Gut in Deutschland“, so Bundeswirtschaftsminister Habeck.

Die Marktakteure, also auch wir, sind nun aufgefordert, sich zunächst in Eigenregie um eine Entspannung der Lage zu bemühen. Erst wenn diese Maßnahmen nicht greifen, folgt die 3. Stufe, die sog. Notfallstufe, in der der Staat in den Markt eingreifen kann.

Weitere Infos zur aktuellen Lage: www.bmwk.de

 

Was bedeutet die Alarmstufe für unsere Kund*innen?

Rund 50 Prozent der Gebäude in München werden mit Erdgas beheizt. Am Netz der SWM hängen rund 178.000 Gaszähler. (Hinweis: entspricht nicht der Anzahl versorgter Haushalte, da über einen Zähler im Mehrfamilienhaus viele Parteien versorgt werden können).

Die Privathaushalte sind jedoch zunächst nicht direkt betroffen. Denn im Notfallplan Gas sind bestimmte Verbrauchsgruppen besonders geschützt: Dazu gehören Haushalte, soziale Einrichtungen, Krankenhäuser, und die zentrale Wärmeerzeugung (KWK-Anlagen - Fernwärmeversorgung). Im Netz der SWM Infrastruktur liegt der Anteil geschützter Kund*innen (inkl. KWK-Anlagen) bei gut 80 Prozent.

Erst bei einer weiteren Verschärfung der Versorgungslage könnte der Gesetzgeber etwa durch Rechtsverordnungen oder Verhaltensregelungen das Verbrauchsverhalten regulieren.

Wärmefonds eingerichtet

Wir halten es für geboten, dass alle ihren Beitrag leisten, um diese Situation zu bewältigen. Hierzu gehört es auch, dass die Solidargemeinschaft die einkommensschwächeren Haushalte unterstützt, also vor allem jenen hilft, die die erhöhte Belastung nicht tragen können.

In Abstimmung mit dem Sozialreferat haben wir daher einen Wärmefonds mit 20 Millionen Euro für einkommensschwache Haushalte aufgesetzt. Der Fonds soll diese dabei unterstützen, steigende Energiepreise zu bewältigen.

Jetzt Abschlagszahlungen anpassen

Hohe Nachzahlungen vermeiden

Wenn die Preise für Erdgas, Fernwärme und Strom steigen, bleibt die Höhe der Abschlagszahlungen in der Regel bis zur nächsten Jahresrechnung unverändert. Um eine hohe Nachzahlung zu vermeiden, empfehlen wir unsere Kund*innen, Ihre Abschläge selbst zu erhöhen. Das können sie über unseren Online-Service schnell und einfach  erledigen.

Abschlag anpassen

Energiesparen ist das Gebot der Stunde

Auch wenn Privatkund*innen aktuell nicht direkt von der Alarmstufe betroffen sind, ist Energiesparen das Gebot der Stunde. Wer weniger Energie verbraucht, spart nicht nur Geld und schont die Umwelt, sondern trägt auch zur Versorgungssicherheit bei. Jede Kilowattstunde Strom, die eingespart wird, reduziert den Gaseinsatz für die Stromerzeugung. Und jeder Kubikmeter Erdgas, der in den wärmeren Monaten nicht verbrannt wird, kann für den nächsten Winter gespeichert werden.

Tragen Sie Ihren Teil bei:

 

So sparen Sie Heiz- und Stromkosten

Energie sparen im Haushalt

Im Haushalt gibt es viele Geräte, die Strom und Wärmeenergie verbrauchen. Wenn Sie ein paar Tipps beherzigen, können Sie ohne viel Aufwand Energie und damit Kosten sparen.

Zu den Tipps

Auftrag der SWM: sichere und zuverlässige Energieversorgung

Was unternehmen die SWM, um der Krise zu begegnen?

Seit vielen Wochen laufen Vorbereitungen für konkrete Ablauf- und Maßnahmenpläne. Schon im Vorfeld haben wir mit möglicherweise betroffenen Großkunden gesprochen, um in Abhängigkeit der tatsächlichen Versorgungssituation mögliche Abschaltungen mit den Kunden zu koordinieren und vorzunehmen. 

Auf Erzeugungsseite haben wir die Umrüstung des Kohleblocks im HKW Nord auf Erdgas bis auf weiteres verschoben. Dafür wurden zusätzliche Steinkohlereserven bestellt.
Mehr Infos

Ebenso werden zwei eigentlich schon stillgelegte Ölbrenner an Heizwerken reaktiviert. Mit diesen Maßnahmen wird der Erdgasverbrauch Münchens reduziert und der Energiemix breiter aufgestellt. Ebenso befinden sich die Ölreserven derzeit im Aufbau.

Darüber hinaus haben wir ein 10-Millionen-Euro-Paket zur Beschleunigung des Fernwärmeausbaus in München aufgelegt. Zusammen mit dem Ausbau erneuerbarer Wärmeerzeugung (v. a. Geothermie) soll auch im Wärmebereich die Abhängigkeit von fossilen Energien und schwierigen Liefersituationen reduziert werden. 
Wärmewende

Um zur Energieeinsparung beizutragen, haben die Münchner Bäder die Mindesttemperatur in den Becken ihrer Freibäder und  Hallenbäder abgesenkt sowie alle zehn Saunen bis auf Weiteres geschlossen.

Mehr dazu

Dr. Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM Geschäftsführung, zur Ausrufung der Alarmstufe

„Aus unserer Sicht ist dieser Schritt die notwendige und richtige Konsequenz der reduzierten Gaslieferungen. Die Alarmstufe kam etwas früher als gedacht, aber für die Energiebranche leider nicht unerwartet. Wir bereiten uns seit Beginn des Angriffskrieges darauf vor. Als Energieversorger der Stadt München arbeiten wir mit allen Akteuren intensiv daran, dass wir diese Gaskrise gemeinsam und solidarisch meistern und vor allem gut durch den Winter kommen. Die Lage ist ernst, auch wenn bis auf Weiteres die Versorgungssicherheit noch gewährleistet ist. Zwar sind die Privatkunden aktuell nicht direkt von der Alarmstufe betroffen, dennoch ist Energiesparen jetzt das Gebot der Stunde. Hierzu können und müssen nun auch alle Bürger*innen einen Beitrag leisten."

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