Zukunft der Mobilität

Automatisierung von Bussen: Förderprojekt TEMPUS

20.04.2022 | Im Förderprojekt TEMPUS untersuchen wir als Projektpartner die Automatisierung von Bussen in der Kolonne und die Digitalisierung der Kommunikation zwischen Bus und Ampel.

Platooning: Kolonne mit fahrerlosem Bus

Beim Platooning sind die Fahrzeuge über eine „elektronische Deichsel“ miteinander verbunden und können so leicht geteilt und wieder verbunden werden.

© KIT- Institut für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV), Grafik erstellt mit CarMaker von IPG

 

Eine Kopplung ohne Kupplung – das beschreibt vereinfacht gesagt der Begriff Platooning. Bezogen auf den Bus sieht das dann so aus: Ein*e Fahrer*in bedient das führende Fahrzeug und führt damit die Kolonne an. Diesem folgt dann mindestens ein fahrerloses Fahrzeug ohne physische Kopplung – so die Theorie. Um das in die Praxis umzusetzen, gibt es noch viele Fragen zu klären. Und genau dafür gibt es TEMPUS.

TEMPUS ist die elegante Abkürzung des sperrigen Projekttitels „Testfeld München - Pilotversuch Urbaner automatisierter Straßenverkehr“. Gemeinsam mit 12 weiteren Partnern forschen wir unter der Trägerschaft des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) an einem zukunftsfähigen nachhaltigen Mobilitätssystem durch Automatisierung. Dabei unterstützt das Bundesministerium für Digitales und Verkehr das Projekt mit einer Förderung von rund 11 Millionen Euro.

Digitalisierte Anmeldung von Bussen an den Verkehrsampeln

Neben der Automatisierung gibt es noch sieben weitere Arbeitspakete, in denen Feldversuche für automatisiertes und vernetztes Fahren in einem Testfeld im Münchner Norden vorbereitet und durchgeführt werden. Konkrete Anwendungsfälle sind der Individualverkehr, der Logistik- und Güterverkehr sowie der ÖPNV, für den neben dem Platooning-Prototoyp digitale Kommunikationsinfrastrukturen für die ÖPNV-Beschleunigung erprobt werden. Dabei geht es insbesondere um die Digitalisierung der Anmeldung von Bussen an den Verkehrsampeln, den sogenannten Lichtsignalanlagen, die bisher analog über Funk sichergestellt wird. Die Projektpartner erhoffen sich Erkenntnisse über das Verhalten aller Verkehrsteilnehmenden, also auch der Radfahrer*innen und Fußgänger*innen.

Film: Demonstration zur Veranschaulichung des Platooning

© KIT- Institut für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV)

Arbeitspaket „Automatisiertes Platooning von E-Fahrzeugen im ÖPNV"

Die SWM sind an fünf Arbeitspaketen beteiligt und leiten das Arbeitspaket „Automatisiertes Platooning von E-Fahrzeugen im ÖPNV“. Dabei geht es unter anderem um die Kommunikation der beiden Fahrzeuge miteinander sowie der Fahrgäste im hinteren Fahrzeug mit dem/der Fahrer*in. Untersucht wird auch, welche Ansprüche an die Sensorik zu stellen sind, um die entsprechende Sicherheit bezüglich des Zwischenraums zwischen den gekoppelten Fahrzeugen zu gewährleisten. 

Das Arbeitspaket „Automatisiertes Platooning“ wird gemeinsam mit Ebusco und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bearbeitet. Ebusco fertigt beide Busse für den Prototyp an und verbaut die Sensorik, die – neben der dahinterliegenden Algorithmik – seitens KIT entwickelt wird. Warum sich gerade Busse im Stadtverkehr besonders für die Automatisierung eignen, weiß Tamara Drescher, stellvertretende Leiterin des Arbeitspakets „Automatisiertes Platooning“: „Durch einfache Kopplung und Entkopplung der Busse lässt sich die Fahrzeuggröße beim Platooning bedarfsgerecht anpassen. Außerdem trägt diese Technologie zur Elektrifizierung von Fahrzeugen mit hoher Fahrgastkapazität bei.“

Testfahrten im Münchner Norden

Die ersten Testfahrten des Platooning-Prototyps sollen ab 2023 auf einem geschlossenen Testfeld stattfinden. Anschließend sind Fahrten auf dem offenen Testfeld im Münchner Norden geplant.

„Das Projekt zahlt auch auf unsere strategischen Konzernziele ein“, sagt Dr. Svenja Reiß, die das Projekt für SWM/MVG leitet. „Durch den hohen Innovationscharakter und der Entwicklung eines serienreifen Fahrzeugs rechnen wir mit Einsparpotenzialen beim Bus. Das unterstützt unser Ziel, die Busflotte zu elektrifizieren und die Verkehrsleistung im Umweltverbund in den nächsten Jahren deutlich zu erhöhen. Außerdem können wir mit der Entwicklung eines neuen Betriebsleitsystems und der Optimierung der Beschleunigung an Lichtsignalanlagen unsere Zuverlässigkeit und die Pünktlichkeit verbessern“, ergänzt Dr. Svenja Reiß.

TEMPUS ist auf zweieinhalb Jahre angelegt und läuft noch bis Ende Juni 2023. Die Ergebnisse werden auf der IAA 2023 präsentiert.

In 2023 sind Fahrten der Platooning-Busse auf diesem offenen Testfeld im Münchner Norden geplant.

 

Konsortialpartner

Freistaat Bayern - LBD, Landeshauptstadt München, TU München, TU Dresden, Karlsruher Institut für Technologie, PTV GmbH, Siemens Mobility/YUNEX GmbH, Traffic Technology Services Europe GmbH, Stadtwerke München, BMW Group, Ebusco Deutschland GmbH, 3D Mapping Solutions, Trafficon – Traffic Consultants GmbH

Auszeichnungen