SWM Positionierung zu Wasserstoff

Wasserstoff als Energieträger der Zukunft?

08.04.2026 I Wir arbeiten an Lösungen für die Energie- und Wärmeversorgung der Zukunft in München, auch mit Wasserstoff als Energieträger. In den vergangenen Jahren haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen zum Thema Wasserstoff dynamisch verändert. Auch zur Marktentwicklung gibt es laufend neue Erkenntnisse. Erfahren Sie, wie wir das Potenzial von Wasserstoff einschätzen.

SWM wollen Potenziale frühzeitig erkennen

Wir entwickeln die Energie- und Wärmeversorgung weiter. Zusätzlich zum Umstieg auf die erneuerbare Energieerzeugung stellen wir auch im Wandel die lückenlose Versorgung von Industrie, Gewerbe, ÖPNV und Privathaushalten mit Strom, Gas und Wärme sicher.

Als größtes Stadtwerk Deutschlands sehen wir uns als wichtiger Akteur in einem sich entwickelnden, künftigen Wasserstoffmarkt. Deshalb sind wir im Gespräch mit verschiedenen potenziellen Partnern sowie anderen Stadtwerken, um frühzeitig in einem Erfahrungsaustausch Potenziale zu erkennen. So prüfen die SWM beispielsweise Möglichkeiten einer Kooperation zur Produktion und zum Transport von grünem und blauem Wasserstoff.

Erklärung der verschiedenen Wasserstoff-„Farben“

Wasserstoff ist das am häufigsten vorkommende Element im Universum. Ein Wasserstoff-Molekül besteht aus zwei Wasserstoff-Atomen. Das chemische Symbol dafür ist H2.

Einschätzung der Marktentwicklung und Rahmenbedingungen

Nach heutiger Einschätzung könnte bis 2050 schrittweise ein Markt für Wasserstoff entstehen. Derzeit sind jedoch Vorhersagen über den Preis und die Verfügbarkeit von Wasserstoff (sowohl zeitlich als auch hinsichtlich der Menge) schwer zu treffen.

Etliche Rahmenbedingungen, die Technologiereife sowie der tatsächliche Hochlauf des Marktes für Wasserstoff sind heute noch unsicher und entwickeln sich ständig weiter. Das liegt vor allem am „Henne-Ei-Problem“ von Verfügbarkeit und Nutzung: Sofern ein Angebot im Markt bestünde, so würde sich auch die Nachfrage danach entwickeln. Solange die Nachfrage nicht hinreichend groß ist, gibt es jedoch auch wenig Anreize, Wasserstoff anzubieten, also zu produzieren oder zu importieren.

Für Privatkund*innen spielt Wasserstoff keine große Rolle

Es ist sehr wahrscheinlich, dass erste Wasserstoff-Abnehmer bis Anfang der 2030er Jahre größere Industriekunden sein werden.

Für Privatkund*innen wird grüner Wasserstoff als Energieträger in absehbarer Zeit in München, z. B. für das Heizen, keine Rolle spielen. Die kommunale Wärmeplanung der Landeshauptstadt München sieht im Zielszenario für die dezentrale Wärmeversorgung der Stadt Wasserstoff derzeit nicht vor.

Welches Potenzial hat Wasserstoff bei den Stadtwerken München?

  • Unsere SWM Tochtergesellschaft bayernets plant in der Rolle des Fernleitungsnetzbetreibers den Aufbau eines Wasserstoffnetzes in Bayern. Dieses Netz ist Bestandteil des nach den Plänen der Bundesregierung bis 2032 aufzubauenden, bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes.
  • Wir sind in ein Projekt für dezentrale grüne Wasserstoffproduktion in Schleswig-Holstein eingestiegen. Im April 2026 haben wir gemeinsam mit der Schweizer Infener AG einen Letter of Intent zur Beteiligung der SWM am geplanten Wasserstoff-Hub in Neumünster unterzeichnet. 
    Zur Pressemitteilung

  • Wasserstoff kann, nach entsprechender Umrüstung und entsprechender Verfügbarkeit, als Brennstoff in unseren zentralen Heizwerken und Heizkraftwerken für die Fernwärme oder im Industriebereich eingesetzt werden. Wir prüfen derzeit die notwendigen Maßnahmen zur Umrüstung. 
  • Das Potenzial bei Wasserstoff liegt nach unserer Einschätzung vor allem in der saisonalen Speicherung: Wasserstoff kann als Speichermedium für Strom aus erneuerbaren Energien dienen. Nach heutiger Einschätzung kann Wasserstoff ab 2050 eine Rolle als saisonaler Speicher und zur Abfederung von Spitzenlasten spielen.
  • Wir beobachten die Gesamt-Entwicklung und begleiten sie eng, vor allem im Rahmen unserer Regionalen Energiewende.

Warum der Wasserstoff verschiedene Farben im Namen trägt¹

Grün, grau, blau oder türkis: Wasserstoff ist zwar farblos, trägt aber unterschiedliche Namen, je nachdem, wie er produziert wurde.

Grüner Wasserstoff

Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser hergestellt, wobei für die Elektrolyse ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz kommt. Unabhängig von der gewählten Elektrolysetechnologie stammt der Strom für die Produktion von grünem Wasserstoff  zu 100 % aus erneuerbaren Quellen.
 

 

Grauer Wasserstoff

Grauer Wasserstoff wird aus fossilen Brennstoffen gewonnen. In der Regel wird bei der Herstellung Erdgas unter Hitze in Wasserstoff und CO2 umgewandelt (Dampfreformierung). Das CO2 wird anschließend ungenutzt in die Atmosphäre abgegeben und verstärkt so den globalen Treibhauseffekt: Bei der Produktion einer Tonne Wasserstoff entstehen rund 10 Tonnen CO2.

Blauer Wasserstoff

Blauer Wasserstoff ist grauer Wasserstoff, dessen CO2 bei der Entstehung jedoch abgeschieden und gespeichert wird (engl. Carbon Capture and Storage, CCS). Das bei der Wasserstoffproduktion erzeugte CO2 gelangt so nicht in die Atmosphäre.

Türkiser Wasserstoff

Türkiser Wasserstoff ist Wasserstoff, der über die thermische Spaltung von Methan (Methanpyrolyse) hergestellt wurde. Anstelle von CO2 entsteht dabei fester Kohlenstoff. Voraussetzungen sind die Wärmeversorgung des Hochtemperaturreaktors aus erneuerbaren Energiequellen, sowie die dauerhafte Bindung des Kohlenstoffs.

1 Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Wasserstoff-Leitprojekte: Wissenswertes

Fragen und Antworten rund um Wasserstoff und die Zukunft des Heizens
  • Kann mein Haus mit Wasserstoff versorgt werden? Wenn ja, ab wann?

    Für Privatkund*innen in München wird grüner Wasserstoff nach unserer Einschätzung in absehbarer Zeit, z. B. fürs Heizen, keine Rolle spielen. Grund dafür ist unter anderem die limitierte Verfügbarkeit.

    Die kommunale Wärmeplanung der Landeshauptstadt München sieht im Zielszenario für die Wärmeversorgung der Stadt Wasserstoff ebenfalls nicht vor. Wir gehen stattdessen davon aus, dass für die Mehrheit unserer Kund*innen Fernwärme, Nahwärme und Wärmepumpen die wirtschaftlichere Lösung sein werden. Aller Voraussicht nach werden bis Anfang der 2030er Jahre erste Industriekunden an ein Wasserstoff-Kernnetz in Bayern angeschlossen werden.

  • Welche Lösungen haben die SWM für ihre Gaskund*innen - statt Wasserstoff?

    In der kommunalen Wärmeplanung der LHM werden mögliche Wärmeversorgungslösungen räumlich zugeordnet. Dabei spielen Fernwärme, Nahwärme sowie Wärmepumpen auf Basis von Grundwasser und von Luft eine wichtige Rolle. Die kommunale Wärmeplanung sieht Tiefengeothermie als wichtigen Baustein der Wärmeversorgung vor. Nahwärmenetze und Wärmepumpen ergänzen die Wärmeversorgung dort, wo die Fernwärme nicht verfügbar ist.

    Wir gehen davon aus, dass für die Mehrheit unserer Kund*innen Fernwärme, Nahwärme und Wärmepumpen auch wirtschaftlich die bessere Lösung sein werden. Nahwärmenetze und Wärmepumpen ergänzen die Wärmeversorgung dort, wo die Fernwärme nicht verfügbar ist bzw. sein wird. Wir bieten mit M‑Wärmepumpe und M‑Nahwärme bereits heute Produkte für eine dezentrale Wärmeversorgung an.

    M‑Wärmepumpe
    M‑Nahwärme

    Darüber hinaus kann in sehr speziellen Fällen, in denen z. B. eine Wärmepumpe nicht installiert werden kann, eine individuelle Beratung, zum Beispiel durch eine*n Quartiersmanager*in oder eine Energieagentur, sinnvoll sein. 

  • Wird weiterhin Erdgas in München verfügbar sein? Wie lange?

    Auf absehbare Zeit werden die SWM ihren Kund*innen weiterhin Erdgas über das Münchner Erdgasnetz liefern. Nach heutiger Gesetzeslage ist davon auszugehen, dass ab 2045 nicht mehr mit Erdgas geheizt werden kann. Die SWM werden für Ihre Kund*innen verlässliche Angebote zum rechtzeitigen Umstieg auf Heizalternativen wie Fernwärme, Nahwärme und Wärmepumpen machen.

  • Wie kann Wasserstoff zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen? Welche Rolle spielt er als Speichermedium?

    Wasserstoff kann als Speichermedium für Strom, zum Beispiel aus erneuerbaren Energien, dienen. Gerade nicht benötigte Energie kann so umgewandelt und gespeichert werden. Allerdings führt eine Umwandlung per Elektrolyse auch zu Energieverlusten. 

  • Wann können die Gaskraftwerke der SWM auf Wasserstoff umgestellt werden?

    Derartige Projekte dauern mehrere Jahre von der Planung bis zur Umsetzung. Die Umstellung des SWM Anlagenparks wird stufenweise erfolgen. Derzeit erwarten wir für München in den frühen 2030er Jahren eine Wasserstoff-Leistung von wenigen hundert Megawatt. Weiterhin gehen wir im Wesentlichen von schrittweisen Umstellungen der Anlagen bis 2040 aus.

    Wir folgen in der Umsetzung der Wärmewende einem klaren Transformationsplan hin zu einer Fernwärmeversorgung, die hauptsächlich auf Tiefengeothermie basiert. Aufgrund des langen Zeithorizonts prüfen wir diesen jedoch kontinuierlich und nehmen Anpassungen vor, sofern veränderte Marktbedingungen dies erfordern oder technologischer Fortschritt dies ermöglicht.

  • Können bestehende Gasnetze zum Transport von Wasserstoff genutzt werden?

    Ja, bestehende Erdgasnetze können umgerüstet werden. Nicht zu erwarten ist, dass Wasserstoff im Gasnetz dem Erdgas beigemischt wird. Wahrscheinlicher ist, dass Leitungen auch weiterhin mit 100 Prozent Erdgas und zusätzlich Leitungen mit 100 Prozent Wasserstoff betrieben werden, bzw. Erdgasleitungen zu 100 Prozent auf Wasserstoff umgestellt werden.

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