Projekt MINGA: Automatisierung des öffentlichen Nahverkehrs in München
01.10.2026 | Mit dem Forschungsprojekt MINGA testen SWM, MVG und zahlreiche weitere Partner automatisierte Busse und On-Demand-Fahrzeuge unter realen Betriebsbedingungen, um neue Angebote für den öffentlichen Nahverkehr in München zu erproben.
Was ist das Projekt MINGA?
Am Projekt MINGA sind neben den SWM und der MVG 11 weitere Partner sowie vier assoziierte Partner aus Wirtschaft und Forschung und Verwaltung beteiligt – darunter auch die Stadt München als Konsortialführerin und mehrere Universitäten.
Das Projekt läuft bis Mitte 2027 und wird durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) im Rahmen der Förderlinie „Autonomes und vernetztes Fahren in öffentlichen Verkehren“ mit rund 13 Millionen Euro gefördert.
Wir arbeiten bei allen sechs Arbeitspaketen aktiv im Projekt mit. Bei zwei Teilprojekten von MINGA sind wir federführend: beim Aufbau eines autonomen On-Demand-Ridepooling-Dienstes und beim Betrieb von zwei automatisierten Bussystemen im Linienverkehr.
Die gewonnenen Erfahrungen fließen in die Weiterentwicklung automatisierter Busse und weiterer Angebote ein. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zu einem leistungsfähigen, modernen öffentlichen Nahverkehr in München.
Automatisierte Verkehrssysteme als Schlüssel für einen starken Münchner ÖPNV
Unser Fokus liegt darauf, On-Demand-Fahrzeuge und Busse zu automatisieren, in bestehende Strukturen und Abläufe einzubinden und in realen Linien- und Betriebsszenarien zu testen.
Durch die Automatisierung wollen wir mehr ÖPNV-Angebote auf die Straße bringen, ohne Mehrkosten zu erzeugen. Auch der Stadtrand soll besser erschlossen werden. Nach dem erfolgreichen Probebetrieb ohne Fahrgäste sollen dann auch Fahrgäste Teil dieses Testbetriebs werden. Während der gesamten Projektlaufzeit wird speziell geschultes Sicherheitsfahrpersonal mitfahren.
Automatisierter On-Demand-Verkehr
Gemeinsam mit dem Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München und der BENTELER-Tochter ioki, die Softwarelösungen für den öffentlichen Nahverkehr anbietet, bauen wir ein Ridepooling-System mit drei automatisierten Fahrzeugen im On-Demand-Betrieb auf.
„On Demand“ bedeutet, dass Fahrgäste auf Abruf in einem definierten Gebiet von A nach B gebracht werden. Dabei werden Fahrtwünsche gebündelt bedient (Ridepooling). Die flexiblen On-Demand-Fahrzeuge sollen künftig den öffentlichen Nahverkehr in München noch attraktiver und flexibler machen, indem sie U-Bahn, Bus und Tram bestmöglich ergänzen.
Drei ID. Buzz Fahrzeuge fahren im Stadtteil Gern automatisiert im On-Demand-Betrieb.
Testbetrieb im Stadtviertel Gern
Im September 2026 startete der Testbetrieb mit drei autonom fahrenden VW ID. Buzz im Stadtviertel Gern im Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg– zunächst noch ohne Fahrgäste und mit Sicherheitsfahrpersonal.
Die Testfahrten im öffentlichen Straßenraum schließen an intensive Vorbereitungen, technische Integrationen und Abstimmungen mit den zuständigen Genehmigungsbehörden an. Das Fahrzeug kann seine Umgebung detailliert wahrnehmen, Verkehrssituationen analysieren und entlang definierter Routen autonom fahren. Während des gesamten Testbetriebs ist Sicherheitsfahrpersonal an Bord, das den Betrieb überwacht und jederzeit eingreifen kann.
In der ersten Phase konzentriert sich der Testbetrieb auf die sichere und stabile Inbetriebnahme des autonomen Fahrsystems im öffentlichen Straßenraum. Die Fahrzeuge fahren dabei auf festgelegten Strecken im Testgebiet und sammeln Daten zu Fahrverhalten, Umfeldwahrnehmung, Verkehrsinteraktion und Betriebsstabilität.
Registrierung zur Testnutzung ist bereits möglich
Wenn der Betrieb sicher und zuverlässig funktioniert, wird in einer zweiten Phase das Betriebsgebiet ausgeweitet und das On-Demand-System des Technologiepartners ioki integriert. Die Fahrzeuge erhalten dann ihre Fahrtrouten auf Basis kurzfristiger Fahrtwünsche, die das autonome System anschließend ausführt. Die Software sorgt dafür, dass Fahrgäste ihre Fahrt per App buchen können, und ermöglicht die Bündelung mehrerer Fahrten in einem Fahrzeug sowie den Einsatz der Fahrzeuge genau dort, wo sie gerade gebraucht werden.
Nach erfolgreicher Integration und Abschluss der erforderlichen Abstimmungen ist in einer späteren Projektphase auch die Mitfahrt ausgewählter Testnutzer*innen vorgesehen.
Interessierte können sich bereits im Vorfeld zur Testnutzung registrieren und werden benachrichtigt, sobald die Mitfahrt möglich ist:
Testnutzung
Autonome Busse im Münchner Linienbetrieb
Außerdem testen wir verschiedene Systeme für den Linienbetrieb mit automatisierten Bussen, gemeinsam mit Forscher*innen von der Universität Stuttgart, vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), vom FZI Forschungszentrum Informatik sowie vom Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München. Dabei werden auch barrierefreie Angebote erarbeitet.
Seit Anfang September ist der automatisierte MAN Lion's City 12 E auf der Linie 178 zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl unterwegs. Der Bus wird derzeit noch von speziell geschulten Testfahrer*innen begleitet. In den kommenden Wochen werden umfangreiche Streckendaten erfasst, um die Voraussetzungen für einen zunehmend autonomen Betrieb zu schaffen. Während des gesamten Projekts befindet sich jederzeit Sicherheitsfahrpersonal an Bord, das die Fahrzeugführung bei Bedarf unmittelbar übernehmen kann.
Voraussichtlich ab November 2026 starten MVG und MAN eine weitere Phase mit Testnutzer*innen entlang der Linie 178. Dabei wird der Bus als zusätzliches Fahrzeug auf der bestehenden Linie eingesetzt und simuliert einen späteren Einsatz im regulären Linienbetrieb unter möglichst realen Bedingungen. In dieser Projektphase können ausgewählte Testnutzer*innen und Testnutzer im Rahmen einer geschlossenen Nutzergruppe mitfahren.
Interessierte können sich bereits im Vorfeld zur Testnutzung registrieren und werden benachrichtigt, sobald die Mitfahrt möglich ist:
Testnutzung
Ein 12 Meter langer, modfizierter MAN Lion's City E Elektrobus fährt auf der Linie 178 vom Petuelring zum Kieferngarten.
Zwei virtuell gekoppelte, 12 Meter lange Ebusco 3.0 Elektrobusse sind auf der Linie 197 in Neuperlach geplant.
Für die Entwicklung von zwei Bus-Platoons ist der Hersteller Ebusco Partner im Projekt. Dabei werden zwei Elektrobusse mithilfe einer virtuellen Deichsel miteinander verbunden, so dass der hintere fahrerlose Bus dem ersten Fahrzeug mit Fahrpersonal automatisch folgt. Damit könnten in Zukunft dieselbetriebene Buszüge ersetzt werden.
Das bringt MINGA: Nahverkehr der Zukunft
MINGA hilft dabei, den öffentlichen Nahverkehr in München weiterzuentwickeln. Für Fahrgäste kann das vor allem weniger Wartezeit und bessere Anschlüsse bedeuten. Neue Angebote sollen dort entstehen, wo sie im Alltag besonders gebraucht werden.
Gleichzeitig geht es darum, den Nahverkehr auch in Zukunft verlässlich anzubieten. Automatisierte Fahrzeuge und digitale Systeme können dabei helfen, Abläufe im Betrieb besser zu steuern und bestehende Angebote sinnvoll zu ergänzen.
Wichtig ist außerdem, dass neue Angebote einfach nutzbar, sicher und möglichst gut zugänglich sind. Deshalb werden die Technologien sorgfältig erprobt, rechtliche Fragen geprüft und Sicherheitskonzepte weiterentwickelt. Damit in Zukunft automatisierte Fahrzeuge Schritt für Schritt in den bestehenden Nahverkehr integriert werden können.