Pleitewelle bei Energie-Discountern

Unfreiwillig in der Grundversorgung

17.01.2022 | Für viele Menschen gab es in den vergangenen Wochen eine böse Überraschung: Wegen der hohen Energiepreise im Großhandel haben einige Energieanbieter ihre Lieferungen einfach eingestellt – fristlos und teils sogar ohne Vorwarnung. Was die Hintergründe sind und warum die betroffenen Kund*innen dank Grundversorgern wie den SWM trotzdem weiterhin Strom und Gas bekommen.

Preissteigerungen führen zu Pleiten bei Billiganbietern

2021 mussten 39 Energieanbieter ihr Geschäft aufgeben und lieferten ihren Kund*innen keinen Strom und kein Gas mehr. Das waren etwa doppelt so viele Insolvenzen wie in den Vorjahren.

Auslöser dafür sind die stark gestiegenen Energiepreise im Großhandel, vor allem für Gas. Auch die Preise von Strom sind betroffen, da dieser oft mithilfe von Gas erzeugt wird. Und auch die einseitigen Geschäftsmodelle mancher sogenannter Energie-Discounter spielen eine Rolle.

Denn: Überwiegend waren von den Pleiten kleinere Unternehmen betroffen, darunter viele dieser Billiganbieter. Deren Geschäftsmodell beruhte darauf, das sie sich die benötigte Energie für ihre Kund*innen sehr kurzfristig an den Energiebörsen beschaffen, um von fallenden Preisen zu profitieren. Die Billiganbieter hatten also vorher ihren Kund*innen die Strommengen verkauft, über die sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht verfügten. Letztlich haben sie spekuliert.

Zunächst ging diese Strategie der Billiganbieter auf. Denn in den vergangenen Jahren war die langfristige Beschaffung tendenziell teurer als die kurzfristig vorhandenen Mengen. So konnten sie sich einen Preisvorteil gegenüber den etablierten Energieanbietern verschaffen. Denn diese kaufen langfristiger ein, um ihre Kund*innen versorgungssicher beliefern, Schwankungen am Energiemarkt auszugleichen und damit stabile Preise bieten zu können. Doch wegen der gestiegenen Großhandelspreise mussten die Billiganbieter plötzlich teuer beschaffen und hätten geringeren Profit oder Defizite gemacht, wenn sie ihre Kund*innen vertragsgemäß beliefert hätten. Stattdessen stellten sie den Betrieb ein und kündigten die Lieferverträge mit ihren Kund*innen.

Betroffen sind Hunderttausende, von denen manche nicht einmal eine Kündigung bekamen. Stattdessen erfuhren sie vom Netzbetreiber oder sogar nur aus den Medien davon, dass sie ab sofort nicht mehr von ihrem Anbieter beliefert werden.

Grundversorger springen ein

Keine*r der betroffenen Kund*innen muss sich Sorgen machen, dass zuhause nun kein Strom oder Gas mehr fließt. Denn es ist gesetzlich geregelt, dass sie über den örtlichen Grundversorger weiter beliefert werden.

In München und vielen Kommunen in der Region sind die Stadtwerke München der Grundversorger. „Wir springen ein, wenn andere Anbieter pleitegehen und sorgen dafür, dass niemand im Dunkeln sitzen oder frieren muss,“ sagt Stefan Tauber, Geschäftsführer Kundenservice und Leiter Vertrieb Privat- und Gewerbekunden bei den SWM. „In den vergangenen Monaten haben die SWM als Grundversorger mehrere Tausend Kund*innen aufgenommen.“

Für uns und andere Stadtwerke, die Grundversorgung leisten, ist diese hohe Zahl an Neukund*innen nicht nur ein Grund zur Freude. Denn um diese kurzfristig in die Ersatzversorgung zu nehmen, müssen wir Strom und Gas nachkaufen – zu den momentan sehr hohen Preisen am Energiemarkt. Einige Energieanbieter haben daher deutlich höhere Preise für diese Art von Neukund*innen eingeführt.

Die SWM haben dagegen keine besonderen Tarife für Neukund*innen in der Ersatzversorgung geschaffen.

Vorausschauende Energiebeschaffung

Nachdem wir die Strom- und Gaspreise fast drei Jahre stabil gehalten hatten, mussten auch wir sie zu Anfang des Jahres erhöhen. Dass diese Preissteigerung trotz der explodierenden Großhandelspreise niedriger ausgefallen ist als bei anderen Versorgern, liegt an unserer nachhaltigen Beschaffungsstrategie: „Wir planen unsere Energieeinkäufe langfristig und vorausschauend.“, sagt Stefan Tauber. „So können wir Preisschwankungen besser abfedern und unsere Kund*innen zuverlässig und sicher versorgen.“

Auch mit unserem konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung erhöhen wir die Versorgungssicherheit, indem wir schrittweise und nachhaltig die Abhängigkeit von fossilen Energien wie Gas und dessen Lieferketten reduzieren.

Fragen und Antworten zur Grundversorgung

Was ist die Grundversorgung?

Es ist gesetzlich festgelegt, dass jeder Haushalt in Deutschland automatisch zu einem Standard-Tarif mit Energie versorgt wird, z. B. nach dem Einzug in eine neue Wohnung. Die SWM bieten ihren Kunden zusätzlich ein umfassendes Angebot für verschiedene Bedürfnisse.

M-Strom

M-Erdgas

Was ist die Ersatzversorgung?

Die Ersatzversorgung ist eine Notversorgung mit Strom oder Gas, z. B. wenn Ihr bisheriger Energielieferant pleitegegangen ist. So ist die Versorgung ohne Unterbrechung gewährleistet; Sie erhalten automatisch Strom oder Gas von Ihrem Grundversorger. Der Anspruch darauf besteht maximal drei Monate, danach wechseln Sie automatisch in die Grundversorgung.

Wer ist mein Grundversorger?

Der örtliche Grundversorger ist jeweils der Energieversorger, der in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Haushaltskund*innen beliefert. Beim Strom sind das in München und acht weiteren Kommunen in der Region die Stadtwerke München. Beim Gas sind wir Grundversorger für München und 35 weitere Gemeinden und Städte.

Weitere Informationen dazu finden Sie beim Netzbetreiber, der SWM Infrastruktur:

Strom Grund- und Ersatzversorgung

Gas Grund- und Ersatzversorgung


 

Sind Sie betroffen und haben weitere Fragen?

Für eine individuelle Beratung zu alternativen Tarifen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

  • Rufen Sie uns kostenfrei an: 0800 – 796 796 0

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