Sanierung des Großhesseloher Wehrs

12.07.2022 I Ab Herbst 2022 sanieren wir das denkmalgeschützte Großhesseloher Wehr in der Isar bei Pullach. Mit dem Ersatzbauwerk schaffen wir eine optimale ökologische, betriebliche und dem Hochwasserschutz dienende Lösung.

Wehranlage von 1908 wird saniert

Das Großhesseloher Wehr in Pullach reguliert die Wasserführung zwischen dem Werkkanal und der Isar und ist damit ein wichtiger Faktor für den Hochwasserschutz der Stadt. Auch für die Energieerzeugung ist es hochrelevant: Am Werkkanal liegen vier Wasserkraftwerke und das Heizkraftwerk Süd, das ihn fürs Kühlwasser nutzt. Der Werkkanal speist außerdem die Floßlände und die Stadtbäche. Und durch die Wehranlage, die bereits seit 1908 in Betrieb ist, verläuft eine wichtige Hauptleitung fürs Trinkwasser.

Während für den östlichen Teil des Wehrs die Stadt München zuständig ist, sind die SWM für den westlichen Teil verantwortlich, wo das Trennwehr die Verbindung zum Werkkanal darstellt. Weil diese Anlage und viele technische Bauteile in die Jahre gekommen sind, müssen wir sie erneuern. Für die nächsten 100 Jahre soll das Ersatzbauwerk eine optimale ökologische, betriebliche und dem Hochwasserschutz dienende Lösung sein.

Angepasste Planungen für die Sanierung

2008 hatten wir bereits mit der Stadt München vereinbart, dass mehr Wasser aus dem Werkkanal in die Isar abgegeben und die Wehranlage so verändert werden soll, dass sich Wasserlebewesen besser hindurch bewegen können (ökologische Durchgängigkeit). Für den Ersatzneubau wurde 2015 eine Plangenehmigung erteilt.

Es zeigte sich aber, dass die mit der Genehmigung einhergehenden naturschutzrechtlichen Auflagen mit den bestehenden Planungen technisch nicht umsetzbar waren. Im Februar 2021 wurde die überarbeitete Planung vorgelegt. Darin sind neueste Erkenntnisse des Fluss- und Wasserbaus eingeflossen.

Vor allem zwei wesentliche Bauteile wurden im Vergleich zu den vorherigen Plänen angepasst:

Ursprünglich war eine „raue Rampe“ mit groben Flussbausteinen in der Flussmitte geplant, die die Wanderung von Fischen ermöglichen sollte. Sie wäre aber für die Tiere schwerer auffindbar gewesen und hätte einen Großteil des wertvollen Kolks (strömungsbedingte Auswaschungen im Untergrund) überbaut.

Um die „Querdurchgängigkeit“ zwischen Isar und Werkkanal trotz der stark schwankenden Wasserspiegel zu gewährleisten, hätten zudem mannshohe Störsteine in das Flussbett einbetoniert werden müssen.

Dies alles wird nun vermieden durch eine Fischaufstiegshilfe in Form eines „Schlitzpasses“ mit natürlicher Sohle am linken Flussufer. Sie ist für die in der Isar beheimateten Fischarten (von der Mühlkoppe bis zum Huchen) optimal auffindbar und durchwanderbar.

Das ursprünglich geplante Schlauchwehr wies Defizite bei der Steuerbarkeit auf. Hier setzen wir nun auf eine innovative Lösung: eine luftbetätigte Wehrklappe ohne aufwändigen Aufbau über dem Fluss. Hinter einem Staublech ist ein stabiler Luftschlauch angebracht, je nach Luftfüllung hebt und senkt dieser die Wehrklappe.

Der Großhesseloher Wehr vor der Sanierung: Die SWM sind für den westlichen, linken Teil verantwortlich. Für das östlich gelegene „Feste Wehr“ ist die Stadt München zuständig. Es ist nicht Teil der anstehenden Modernisierungsmaßnahmen.

Verbesserungen für den Wassersport

Auch Kritik von Wassersportler*innen wurden aufgenommen. Denn eigentlich sollte die Anlange bei Hochwasser vollständig überströmt werden, damit z. B. Treibgut einfacher vorbeischwimmen kann. Kanut*innen oder Bootsfahrer*innen hätten das Wehr aber so zu spät bemerken und in schwierige Strömungen geraten können. Daher sind nun eine gut sichtbare Abweisschranke am dauerhaft durchströmten Wehrfeld 1 sowie eine weiter über die Wasseroberfläche reichende Wehrklappe am Wehrfeld 2 geplant.

Allerdings gilt weiterhin, dass das Baden im Bereich von 200 Metern vor dem Wehr bis 100 Meter danach verboten ist, wie für solche Anlagen üblich. Mit Booten muss zu Wehranlagen ohnehin ein ausreichender Sicherheitsabstand eingehalten werden (aufgrund der Bayerischen Schifffahrtsverordnung).

Denkmalgeschütztes Bauwerk

Seit März 2022 ist das Großhesseloher Wehr denkmalgeschützt. Grund dafür ist neben der historischen Bedeutung für die Wasserwirtschaft die teilweise noch vorhandene originale Bausubstanz: Der aus der Bauzeit stammende Stampfbeton, der die alte, längst nicht mehr funktionsfähige Floßgasse ausmacht, und das Schleusenwärterhaus.

Durch Anpassungen des Bauablaufs kann diese historische Floßgasse bestehen bleiben. So können wir diesen historischen Standort mit wesentlichen landschaftsprägenden Originalbauteilen erhalten, die Grundfunktionen des Wehrs sichern und wichtige ökologische Elemente sowie Sicherheitskomponenten ergänzen. Um es fit für aktuelle und zukünftige Anforderungen zu machen, passen wir es an den Stand der Technik an.

Wichtige Faktoren für den Ersatzneubau:

  • Der Schutz vor Hochwasser wird sichergestellt und verbessert. Dazu gehört auch, dass die Gefahr von verkeiltem Treibgut wie Baumstämmen bei Hochwasser (sog. Verklausung) deutlich reduziert wird.
  • Die Bewegungsfreiheit für Wasserlebewesen in der freien Isar wird bestmöglich hergestellt und der natürliche Transport von Kies flussabwärts gesichert.
  • Die „Querdurchgängigkeit“ zwischen Kanal und Isar wird verbessert, so dass die Wasserlebewesen Lebensräume in beiden Gewässerteilen gleichermaßen nutzen können.
  • Die betriebliche Sicherheit sowie der Gewässer- und der Arbeitsschutz werden verbessert.
  • Dem Denkmalschutz wird vollumfänglich Rechnung getragen, etwa beim Erhalt der historischen Floßgasse am flussaufwärtigen Ende des Trennwehrs zwischen Werkkanal und Isar.

Bisherige Funktionen des Wehrs werden für die Zukunft gesichert:

  • Die wichtige Trinkwasser-Hauptleitung, die unter dem Wehr die Isar kreuzt, bleibt erhalten.

  • Die Wehranlage Großhesselohe stellt weiterhin die Wasserversorgung des Werkkanals und damit der Floßlände sowie der Münchner Stadtbäche sicher.

  • Das Heizkraftwerk Süd in Sendling ist systemrelevant für die Stromversorgung Münchens und der Region. Über den Werkkanal bezieht es Kühlwasser.

  • Über den Werkkanal erhalten auch die Wasserkraftwerke in der Stadt Wasser zur Ökostromerzeugung.

Baubeginn im Herbst 2022

Die Arbeiten sollen im Herbst 2022 beginnen und rund 15 Monate dauern. Zunächst wird eine Kies-Baustraße von der Conwentz-Brücke über den Isardamm und an dessen Fuß zum Großhesseloher Wehr geschüttet. Über sie werden die Anlagenteile und die Bauausrüstung transportiert.

Im Anschluss beginnen die ersten Rückbauarbeiten und es werden Dämme im Fluss aufgeschüttet, um die Baugruben trockenzulegen. Dann wird das neue Wehr betoniert und die technischen Anlagenteile installiert. Nachdem die Arbeiten abgeschlossen sind, beginnt im Herbst 2023 der Rückbau der Baustelle.

Die Maßnahmen, die die meisten Transporte benötigen, legen wir vor allem in die Herbst- und Wintermonate. So können wir die ökologischen Auswirkungen und die Beeinträchtigung der Freizeiträume entlang des Flusses reduzieren. Wegen des Baustellenverkehrs wird es für Fußgänger*innen und Radler*innen zu Einschränkungen kommen. Der Weg auf dem Trenndamm zwischen Conwentz-Brücke und Höllererberg soll allerdings geöffnet bleiben.

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