Die Geschichte der Wasserversorgung in München
17.06.2024 I Heute unvorstellbar, damals Realität: Noch vor 150 Jahren galt München als eine der schmutzigsten Großstädte Europas. Großen Anteil daran hatte das Trinkwasser, das noch aus städtischen Brunnhäusern bezogen wurde. Statt fragwürdigem Grundwasser trinken Münchner*innen heute quellfrischesTrinkwasser aus dem Voralpenland, eines der besten Europas. Die SWM investieren kontinuierlich in die Überwachung, Instandhaltung und Modernisierung der Trinkwasseranlagen.
Von belasteten Brunnhäusern zum quellfrischen Trinkwasser
Sauberes Wasser fürs Bierbrauen
Als 1873 wegen einer Seuche sogar das Oktoberfest abgesagt werden musste, war es der Stadtverwaltung endgültig zu viel. Die regelmäßigen Typhus- und Choleraepidemien schadeten dem Ansehen Münchens ungemein, ein Wandel musste her. Unter anderem dem Mediziner Max von Pettenkofer ist es zu verdanken, dass sich München schließlich einer grundlegenden hygienischen Erneuerung unterzog. Die betraf vor allem das Trinkwasser.
Bis 1883 versorgten sich die Münchner*innen aus städtischen Brunnhäusern, die durch unkanalisierte Abwässer verunreinigt waren. Nun sollte frisches Quellwasser aus sauberen Böden der Region nach München geleitet werden. Als Ort der Gewinnung schien vor allem das obere Mangfalltal perfekt zu sein – hätte es nur nicht lautstarke Bedenken gegeben: Das Wasser aus dem Mangfalltal sei nicht zum Bierbrauen geeignet, so der besonders in München schwerwiegende Vorwurf. Erst als der Brauereibesitzer Josef Sedlmayr mit 100 Hektoliter Quellwasser einen Probesud ansetzte und verköstigen ließ, waren die Sorgen ausgeräumt. Das Wasser konnte fließen.
Fortwährende Qualitätskontrolle
Heute übertrifft das Münchner Trinkwasser die Anforderungen der Trinkwasserverordnung bei Weitem. Mit mehr als 1.200 Proben im Monat wird diese Qualität fortwährend überwacht. Das Besondere: Die durch Pettenkofers Initiative gebauten Anlagen sind 140 Jahre später immer noch in Betrieb.
75 Prozent des Münchner Trinkwassers kommen nach wie vor aus dem Mangfalltal, der Rest aus dem Loisachtal sowie der Münchner Schotterebene. Das Trinkwasser fließt der Stadt durch das natürliche Gefälle in höchster Qualität ohne Energieaufwand zu – jeden Tag bis zu 350 Millionen Liter.
Um diese Qualität aufrechtzuerhalten, engagieren sich die SWM mit ihren Partner*innen in der Region tatkräftig.Sie setzen in den Gewinnungsgebieten Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers um, darunter die Förderung des ökologischen Landbaus und die Pflege von Wasserschutzflächen. Jährlich investieren sie Millionenbeträge in die Modernisierung und Instandhaltung ihrer Anlagen.
Bestes Trinkwasser an dem Trinkbrunnen am Viktualienmarkt
Die Münchner Wasserversorgung früher ...
Bau des Hochbehälters Deisenhofen, 1882
... und heute
Wasserschloss Reisach
Foto: SWM/Hr. Weis
So schützen wir das Trinkwasser
Ökolandbau im Mangfalltal
Foto: Andreas Leder
Ökologischer Landbau
Bereits 1992 haben die SWM die Initiative „Ökobauern“ ins Leben gerufen. Wir fördern damit den ökologischen Landbau im Wassergewinnungsgebiet Mangfalltal. Mehr als 1.850 Landwirte haben ihre Betriebe auf eine Bewirtschaftung nach den Vorgaben des ökologischen Landbaus mit reduziertem Einsatz von Betriebsmitteln zum Schutz des Grundwassers sowie artgerechte Tierhaltung umgestellt. Gemeinsam bewirtschaften sie eine Fläche von rund 4.400 Hektar – eines der größten ökologisch bewirtschafteten Gebiete Deutschlands.
Wasserschutzwald
Zudem pflegt im Auftrag der Stadtwerke München die Forstverwaltung der Landeshauptstadt seit vielen Jahren die rund 1.800 Hektar großen Waldflächen im Gewinnungsgebiet die Waldflächen im Gewinnungsgebiet nach den Vorgaben der Forstverwaltung der Landeshauptstadt München. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt und des Grundwassers.
Mit Blick auf die Zukunft und den fortschreitenden Klimawandel entwickeln wir Konzepte, um die Trinkwasserversorgung die Trinkwasserversorgung auch künftig sicherzustellen – für kommende Generationen.