Quartier Kirschgärten in München
04.06.2025 I Im ehemaligen Gewerbegebiet Kirschgelände in München-Untermenzing entsteht ein neues Quartier. In den „Kirschgärten“ sorgen die SWM mit einem Pionierprojekt für die Versorgung mit Wärme und Kälte aus lokal erzeugter erneuerbarer Energie aus Photovoltaik und Erdwärme. Das Quartier erhielt die Zertifizierung in Platin von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB).
Das Quartier Kirschgärten
Auf dem Kirschgelände entstehen in den kommenden Jahren rund 1.500 Wohnungen in einem heute noch voll versiegelten Gewerbegebiet. Zwischen den Wohngebäuden wird auf einem Fünftel des Areals eine 24.000 Quadratmeter große öffentliche Parkanlage entstehen, mit mehr als 400 Bäumen. Voraussichtlich 2027 werden die ersten der künftig rund 3.000 Mieter*innen in das neue Münchner Stadtquartier Kirschgärten einziehen.
Durch die „Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen„ (DGNB) erhielt das Quartier die Zertifizierung in Platin. Realisiert wird das Projekt durch die ECKPFEILER Immobilien Gruppe. Robert Harle, deren Technischer Geschäftsführer sagt: „Holz als nachwachsender Rohstoff, Photovoltaikanlagen auf dem Dach, Mobilitätskonzepte mit vielfältigen Sharingangeboten, energetische Optimierung – wir setzen das um, was sinnvoll ist."
Mit den SWM habe sie einen kompetenten und konstruktiven Partner gefunden, der bereit ist, neue Wege zu suchen und auch zu gehen. Für die Wärme- und Kälteversorgung sind Photovoltaik und Erdwärme vorgesehen.
Ansicht des Quartiers Kirschgärten von oben
Visualisierung © ECKPFEILER Immobilien Gruppe GmbH
Ausgefeiltes Energiekonzept für die Kirschgärten
„Als der Münchner Energieexperte forcieren wir die Münchner Wärmewende auch mit Quartierslösungen. Unser ausgefeiltes Konzept zur Wärme- und Kälteversorgung mit Sektorkopplung aus Strom und Wärme hat einen wesentlichen Anteil daran, dass die Kirschgärten ihre Ziele in Sachen DGNB-Platin-Zertifizierung erfüllen können. Wir freuen uns sehr darüber, die ECKPFEILER Immobilien Gruppe mit diesem Vorzeigeprojekt langfristig zu unterstützen und auch außerhalb unseres Fernwärmenetzes skalierbare Nahwärme-Lösungen demonstrieren zu können.“
Dr. Florian Bieberbach
Vorsitzender der SWM Geschäftsführung
Dr. Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM Geschäftsführung (links), und Wolfgang Bogner, geschäftsführender Gesellschafter der ECKPFEILER Immobilien Gruppe bei den Brunnen-Probebohrungen auf dem Gelände der Kirschgärten
© Katy Spichal / ECKPFEILER Immobilien Gruppe GmbH
Solarstrom und Erdwärme für die Kirschgärten
Gemeinsam mit der ECKPFEILER Immobilien Gruppe haben wir ein innovatives Wärme- und Kälteversorgungskonzept entwickelt, das regionale erneuerbare Energien (Photovoltaik und Erdwärme) vorsieht. Wir planen und errichten die Wärme- und Kälteversorgung für das gesamte Quartier und werden diese auch langfristig betreiben.
Dazu erstellen wir mehrere Grundwasserbrunnen und verbinden sie mit einem Grundwassernetz. Daran sind Wärmepumpen und Wärmetauscher angeschlossen, die sich dezentral in den Wohngebäuden befinden. Die Wärmepumpen versorgen die Gebäude effizient mit Wärme für Heizung und Warmwasser. In vielen Gebäuden wird das Grundwasser auch zur Klimatisierung an heißen Sommertagen beitragen – so kann ein weiterer Vorteil dieser Ressource genutzt werden.
Der Stromverbrauch der Wärmepumpen soll nach aktueller Planung vorrangig durch Photovoltaik-Anlagen auf den Gebäudedächern gedeckt werden. Rund 50 Prozent der Dachflächen sind für Solarenergie reserviert. Damit können jährlich etwa 1.000 Megawattstunden Strom erzeugt werden. Darüber hinaus soll Strom aus regionalen Erneuerbaren-Energien-Anlagen zum Einsatz kommen. Etwaige Überschüsse aus der PV-Stromerzeugung werden möglichst im Quartier verbraucht. Dafür werden wir den Bewohner*innen der Kirschgärten ein Angebot für Mieterstrom aus den PV‑Anlagen machen.
Begrünte Dachgärten und PV-Dachanlagen
Visualisierung © ECKPFEILER Immobilien Gruppe GmbH
Nahwärme-Versorgung durch Grundwasser-Wärmepumpen
Digitale Steuerung der Energieversorgung
Die ECKPFEILER Immobilien Gruppe und die SWM stellen hohe Ansprüche an die Energieeffizienz bei der Versorgung mit Wärme und Kälte. Deshalb werden wir – auch über die Planungsphase hinaus – ideale Rahmenbedingungen schaffen, damit die Grundwasser-Wärmepumpen effizient arbeiten, und die Anlagen im Betrieb laufend optimieren.
Um den Verbrauch optimal auf die Energiequellen abzustimmen, ist in den Kirschgärten ein komplexes Energiemanagement-System nötig. Es wird Smart Metering (intelligente Stromzähler), IoT (Internet of Things) sowie Data Science nutzen. „Ein übergreifendes digitales Informations- und Kommunikationsnetz verbindet dezentrale Energieversorgungs-Systeme und Verbraucher optimal“, erklärt Michael Tiefenbrunn, SWM Leiter Technische Lösungen Nahwärme. „Dank der Digitalisierung von Anlagenbetrieb, Nutzerverhalten und Wetterprognosen sollen über ein quartierübergreifendes Energiemanagement-System die Mess-, Steuer- und Regelungstechnik der Wärme- und Kälteversorgung positiv beeinflusst und in diesem Netz weitere Optimierungspotenziale genutzt werden.“
Das System soll aus Verbrauchsdaten und Erzeugungsprognosen die Einsatzplanung für die einzelnen Komponenten erstellen, mit einem hohem Grad der Automatisierung. So können wir die verschiedenen Sektoren Strom, Wärme und Kälte effizient miteinander koppeln.
Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW)
Für die Wärme- und Kälteversorgung des Quartiers Kirschgärten haben wir BEW-Fördermittel beantragt und zum 30.04.2025 den Fördermittel-Bescheid erhalten. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert.
Finanziert durch die Europäische Union – NextGenerationEU. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind ausschließlich die des Autors/der Autoren und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Europäischen Union oder der Europäischen Kommission wider. Weder die Europäische Union noch die Europäische Kommission können für sie verantwortlich gemacht werden.
Klimaanpassung und innovatives Mobilitätskonzept
Auf der EXPO Real wurde das Projekt von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgezeichnet. Insgesamt erreichten die Kirschgärten auf der Nachhaltigkeitsskala einen Wert von 83,8 Prozent.
Auch die Klimaanpassung im Sinne einer Schwammstadt spielt eine wichtige Rolle. Rund 50 Prozent der Geländefläche wird begrünt, viele Dächer mit Dachgärten bepflanzt. Auf den Tiefgaragen wird ein 1,5 Meter dicker Mutterboden aufgebracht, der eine Bepflanzung mit Bäumen ermöglicht und als Wasserspeicher dient. So kann auch starker Regen komplett versickern.
Teil des Mobilitätskonzepts der Kirschgärten ist ein Mobilitäts-Hub mit Sharing-Angeboten vom Auto bis zum Lastenrad in der Mitte des neuen Quartiers. Er kann dazu beitragen, den Bedarf an eigenen Autos zu reduzieren. Entlang der Bahnlinie entstehen neue breite Radwege. Und auch der ÖPNV wird ausgebaut, mit einer neuen Haltestelle für den Linienbus.
Die Kirschgärten bilden ein Viertel der kurzen Wege. Neben Wohnraum wird es im Quartier auch Freizeitangebote, Bildung und Gastronomie geben. Für die Kinder wird es eine Grundschule mit Sporthalle und Freizeitsportanlage sowie vier Kindertagesstätten geben.
Straßenzug im Quartier
Visualisierung © ECKPFEILER Immobilien Gruppe GmbH