H1-Überschrift

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Energiestandort Süd

Wandel am Energiestandort Süd

12.05.2020
Am Energiestandort Süd in München-Sendling wird bereits seit 1899, also seit mehr als 120 Jahren, Strom für die Stadt München erzeugt. Derzeit bauen wir den Standort für den Wandel von der alten zur neuen Energiewelt um. Denn die Zukunft gehört den Erneuerbaren Energien.
Nach Phasen mit Kohle- und Müllverbrennung ist seit rund zwei Jahrzehnten im Heizkraftwerk Süd die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) Stand der Technik, also die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Fernwärme. Erdgasbetriebene Turbinen erzeugen Strom, die heiße Abwärme wird in Fernwärme umgewandelt. Bis zu 90 Prozent der Energie aus dem Erdgas werden so genutzt – damit ist die KWK eine der effektivsten und klimafreundlichsten konventionellen Erzeugungsmethoden. Erdgas als den saubersten der fossilen Rohstoffe benötigen wir noch solange, bis wir die Energie für München komplett CO2-neutral erzeugen können. 


Modernisierung der Gas- und Dampfturbinenanlagen
Das Heizkraftwerk (HKW) Süd ist der älteste konventionelle Erzeugungsstandort der SWM. Im Laufe der Jahre wurde er immer wieder um- und ausgebaut. Aktuell modernisieren die SWM die beiden Gas- und Dampfturbinenanlagen (GuD), die im KWK-Prozess klimaschonend Strom und Fernwärme erzeugen. Während die GuD2 neue Gasturbinen erhält (Anlieferung 2020, Arbeiten laufen bis Herbst 2021), wird eine vollständig neue GuD1 die alte GuD1 ersetzen (Baumaßnahmen erfolgen bis Ende 2022).

Beide Maßnahmen tragen dazu bei, mit höheren Wirkungsgraden die CO 2-Emissionen weiter zu senken und die Versorgungssicherheit (Strom und Wärme) weiterhin zu gewährleisten. Zudem können in der neuen GuD1 auch regenerative Brennstoffe, wie etwa Biomethan oder Wasserstoff anteilig genutzt werden. Bei entsprechender Verfügbarkeit klimaneutraler Gase kann die Anlage auf den steigenden Anteil umgerüstet werden.

Mega-Transport von zwei neuen Turbinensätzen

Turbine fürs HKW Süd
Quer durch Deutschland wurden im März und April 2020 zwei neue Gasturbosätze für den Energiestandort Süd transportiert. Die Maschinen ersetzen zwei bisherige Gasturbosätze am Standort. Die Neuen warten mit einem höheren Wirkungsgrad und nochmals verbesserten Abgaswerten auf.

Ein Gasturbosatz umfasst eine Turbine mit dem dazugehörigen Generator, hat 210 Tonnen Gewicht und 5 x 5 Meter Umfang. Für beide war ein Tieflader samt Blaulicht-Konvoi für den Transport vonnöten. Vom ostfranzösischen Standort Belfort des Herstellers GE, wo die Einzelteile zusammengefügt und aufs Transportschiff verladen worden waren, ging es zunächst auf den Flüssen Rhein, Main und Donau nach Kelheim. Vom Hafen Kelheim folgte dann der Landweg. Schon vor Start des ersten Transports im März waren die Statik von Fahrbahnen und Brücken überprüft, Kurven ausgemessen und teils Ampeln an Kreuzungen abgehängt worden. 
Foto: SWM/E. Escotto
Energiestandort Süd
So wird der Energiestandort Süd zukünftig aussehen: links das modernisierte HKW Süd, in der Bildmitte der Wärmespeicher und daneben das Technikgebäude, in dem auch die Fernkälte ausgekoppelt wird. (Visualisierung: SWM/SCG)
Geothermie-Bohrung
Größte Geothermieanlage Deutschlands
 
Der 175 Meter hohe Kamin des Heizkraftwerks Süd aus der Zeit der Müllverbrennung wird nicht mehr benötigt und in Kürze Stück für Stück abgetragen. Auf der Nordseite des Geländes zwischen Isarkanal, Schäftlarnstraße und Großmarkthalle entsteht Deutschlands größte Geothermieanlage mit sechs Bohrungen.

Die Bohrarbeiten dafür sind abgeschlossen. Ebenso die Pumpversuche, mit denen die Ergiebigkeit und die Temperatur des Thermalwasservorkommens gemessen wird. Sie haben gezeigt, dass die Anlage rund 80 Megawatt Wärmeleistung liefern wird und weit mehr als 80.000 Münchnerinnen und Münchner mit Ökowärme versorgen kann. Neben dem Bohrplatz entsteht derzeit die Heizzentrale, die die Technik beherbergen wird. Nach finalen Langzeitpumpversuchen wird die Anlage in der Heizsaison 2021 ans Netz gehen. Damit wandelt sich das Areal in Sendling vom reinen Heizkraftwerk zum Energiestandort Süd. 

Um die Geothermie noch besser ausnutzen und die Fahrweise des Energieerzeugungs-Anlagenparks flexibilisieren zu können, wird außerdem ein ca. 50 Meter hoher Energiespeicher gebaut. 

Die SWM verzahnen ihre regenerativen und konventionellen Erzeugungsanlagen, modernisieren und flexibilisieren den bestehenden Kraftwerkspark und entzerren Erzeugung und Verbrauch durch Energiespeicher. So machen sie Münchens Erzeugung fit für die Zukunft.
 
Wärme wird auch zu Fernkälte

Ab Ende 2021 wird am Energiestandort Süd neben Strom und Fernwärme zudem klimafreundliche Fernkälte erzeugt. In Absorptionskältemaschinen wird die vorhandene Wärme in Fernkälte umgewandelt und strömt über eine neu entstehende 5 km lange Transportleitung durch die Isarvorstadt und Ludwigsvorstadt in die Innenstadt. Kund*innen entlang der Trasse und in der City können damit ihre Gebäude kühlen, ganz ohne Klimaanlage. In die Gesamtbaumaßnahme aus Erzeugung und Leitungsbau investieren wir rund 80 Millionen Euro.

Die neue Kälteerzeugung ergänzt die bisher vorhandenen 3 Kältezentralen in der Innenstadt. Durch die wird der wachsende Bedarf abgedeckt. Denn immer mehr Gebäudeeigentümer entscheiden sich für diese klimafreundliche Art der Kühlung. Deshalb bauen die SWM das Fernkältenetz in der Innenstadt sowie auch an vielen weiteren Orten in München seit Jahren weiter aus. 
 
Mehr zu unserem Geothermie-Ausbau

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