Wandel zur neuen Energiewelt

Der neue Energiestandort Süd

27.05.2021 | Am Energiestandort Süd in München-Sendling wird bereits seit 1899, also seit mehr als 120 Jahren, Strom für die Stadt München erzeugt. Derzeit bauen wir den Standort für den Wandel zur neuen Energiewelt um. Denn die Zukunft gehört den Erneuerbaren Energien.

Effektive Kraft-Wärme-Kopplung

Das Heizkraftwerk (HKW) Süd ist der älteste konventionelle Erzeugungsstandort der SWM. Seit 1899, also seit mehr als 120 Jahren, wird in Sendling Energie für München erzeugt.

Nach Phasen mit Kohle- und Müllverbrennung ist seit rund zwei Jahrzehnten im Heizkraftwerk Süd die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) Stand der Technik, also die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Fernwärme. Erdgasbetriebene Turbinen erzeugen Strom, die heiße Abwärme wird in Fernwärme umgewandelt. Bis zu 90 Prozent der Energie aus dem Erdgas werden so genutzt – damit ist die KWK eine der effektivsten und klimafreundlichsten konventionellen Erzeugungsmethoden. Erdgas als den saubersten der fossilen Rohstoffe benötigen wir noch solange, bis wir die Energie für München komplett CO2-neutral erzeugen können.

Geothermie, Fernkälte, Energiespeicher

Im Laufe der Jahre wurde der Standort immer wieder modernisiert und an den steigenden Energiebedarf der Stadt angepasst.

Aktuell wird er erneut umgebaut – zu einem Erzeugungsstandort, der die Münchner*innen zeitgemäß mit Energie versorgt: Hier entsteht Deutschlands größte Geothermieanlage, die Ökowärme für mehr als 80.000 Menschen liefert. Außerdem werden die Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen modernisiert, um künftig noch effizienter Strom und Wärme zu erzeugen. Ab 2022 wird am Energiestandort Süd auch erstmals klimafreundliche Fernkälte für die Innenstadt produziert. Der große Kamin verschwindet, ein Energiespeicher und eine Technikzentrale entstehen – alles sichtbare Zeichen des Wandels hin zu den erneuerbaren Energien.

Erweiterung und Modernisierung

Der Energiestandort Süd wird zeitgleich an mehreren Stellen weiterentwickelt, um den Ansprüchen der neuen Energiewelt gerecht zu werden.

Regenerative Wärmeerzeugung: Größte Geothermieanlage Deutschlands

Auf dem Areal zwischen Isarkanal, Schäftlarnstraße und Großmarkthalle entsteht Deutschlands größte Geothermieanlage mit sechs Bohrungen. Die Bohrarbeiten dafür sind abgeschlossen. Ebenso die Pumpversuche, mit denen die Ergiebigkeit und die Temperatur des Thermalwasservorkommens gemessen wird. Sie haben gezeigt, dass die Anlage rund 80 Megawatt Wärmeleistung liefern wird. Die aus 2.400 bis 3.200 Meter Tiefe gewonnene Energiemenge reicht für deutlich mehr als 80.000 Münchner Bürger*innen. Neben dem Bohrplatz entsteht derzeit die Heizzentrale, die die Technik beherbergen wird. Nach finalen Langzeitpumpversuchen wird die Anlage in der Heizsaison 2021 ans Netz gehen. 

Flexible Anlagensteuerung

Die Geothermieanlage soll bis Ende 2023 um einen Heißwasserspeicher mit ca. 45.000 m³ Kapazität erweitert werden. Mit ihm lässt sich die geothermale Wärme noch besser nutzen. Der Speicher trägt zur Versorgungssicherheit bei und macht die Anlagensteuerung flexibler: Wenn viel Strom benötigt wird, aber wenig Wärme, kann die Wärme gespeichert werden. Wird dagegen wenig Strom aus dem Kraftwerk benötigt – zum Beispiel, weil viel Strom aus erneuerbaren Energiequellen im Netz ist – erzeugen die Anlagen auch weniger Wärme. Der Speicher kann dann die benötigte Wärme liefern, und das über einen kurzen Zeitraum sogar mit der dreifachen Leistung der Geothermieanlage.

Erneuerung der Technik

Solange für die Strom- und Wärmeerzeugung noch nicht ganz auf Erdgas verzichtet werden kann, wollen wir den saubersten unter den endlichen Rohstoffen so effizient wie möglich nutzen. Die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ist eine der effektivsten und klimafreundlichsten konventionellen Erzeugungsmethoden in Heizkraftwerken. Sie nutzt rund 90 Prozent der Energie aus dem Erdgas. Deshalb investieren wir auch in die Modernisierung unserer KWK-Anlagen: Eine moderne Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) mit KWK ersetzt die seit 1979 in Betrieb befindliche GuD1. Die neue Anlage kann künftig auch mit regenerativen Brennstoffen, wie etwa Biomethan oder Wasserstoff, betrieben werden. In der GuD2 werden die beiden Gasturbosätze gegen Maschinen mit noch höherer Effizienz und besseren Abgaswerten ausgetauscht.

Ein Meilenstein ist bereits geschafft: Die alte Gas- und Dampfturbinenanlage 2 (GuD2) ist vom Netz genommen. Nun werden die neuen Gasturbosätze der GuD2 in der Turbinenhalle montiert. Ab Mitte August ist „first fire“ geplant, also das erste Anfeuern mit Gas. Zur Heizsaison 2021 wird die noch effizientere Anlage Fernwärme und Strom für die Münchner*innen liefern.

Umweltfreundliche Fernkälteerzeugung

Zukünftig wird am Energiestandort Süd erstmals auch Kälte erzeugt: Die neu entstehende Kälteanlage nutzt das kalte Wasser des Isarwerkkanals, aber auch Energie aus den KWK-Anlagen und der Geothermie, um Fernkälte zu erzeugen. Um einen ausgeglichenen Wärmehaushalt für die Isar sicherzustellen, stehen zudem Rückkühlmöglichkeiten auf dem Dach der Anlage zur Verfügung.

Die Fernkälte strömt über eine neu entstehende 5 km lange Transportleitung durch die Isarvorstadt und Ludwigsvorstadt in die Innenstadt. Kund*innen entlang der Trasse und in der Innenstadt können damit ihre Gebäude kühlen, ganz ohne Klimaanlage.

Weitere Infos zur EU-Förderung

Das Projekt „Innovative und CO2-arme Fernkälteversorgung für das Münchner Innenstadtquartier“ wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Insgesamt erhalten die SWM 3,28 Millionen Euro aus diesem Programm. Fördergeber sind die EU (50 %), der Freistaat Bayern (10 %) und die Landeshauptstadt München (40 % kommunaler Eigenanteil).

Im Rahmen dieses innovativen Projekts errichten die SWM am Energiestandort Süd eine neue Kälteerzeugungsanlage, um in Zukunft zahlreiche Kunden in der Münchner Innenstadt mit ökologischer Kälte versorgen zu können. Der Energiestandort Süd, an dem die SWM seit vielen Jahren Fernwärme aus hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen und in Zukunft auch aus erneuerbarer Tiefengeothermie erzeugen, bietet beste Voraussetzungen, um klimafreundliche und ressourcenschonende Kälte bereitzustellen. Denn bevorzugt setzen die SWM hier Fließwasser aus dem Isar-Werkkanal und Fernwärme als Antriebsquelle in Absorptionskältemaschinen ein. Zur Abdeckung der Spitzenlasten werden hocheffiziente strombetriebene Kompressionskälteanlagen verwendet. Damit lassen sich im Vergleich zu den sonst üblichen dezentralen Kühlanlagen in den einzelnen Gebäuden circa zwei Drittel der CO2-Emissionen einsparen.

Die Erzeugungsanlage soll 2022 in Betrieb gehen. Ab etwa 2028 wird in den Sommermonaten überschüssige Fernwärme aus erneuerbaren oder CO2-neutralen Quellen (Geothermie, Müllverbrennung) zur Verfügung stehen.

 

Zur Kälteeinspeisung verlegen die SWM ein über 6 km langes Transportnetz, das bereits größtenteils fertiggestellt ist. Um die großen Kundenpotenziale in der Münchner Innenstadt zu erschließen, wird bis 2022 der Energiestandort Süd an den beiden Anschlusspunkten in der Nähe Hauptbahnhof und Tal/Marienplatz mit dem bereits bestehenden Fernkältenetz verbunden. Die Trasse dieser neuen Transportleitung führt auch am Areal der Großmarkthalle sowie an städtischen Verwaltungsgebäuden sowie Krankenhäusern vorbei, so dass auch Fernkältekunden entlang der Trasse angeschlossen werden können.

Das Projekt hat einen sehr positiven städtebaulichen Einfluss: Durch die zentrale Fernkälteversorgung können unerwünschte Rückkühlaggregate auf den Dächern der Innenstadt vermieden werden, welche das Stadtbild nachteilig beeinflussen und in ungünstigen Fällen hygienische Probleme (Legionellen) verursachen können. Ebenso verbessert sich  das Mikroklima, da die Wärmeabfuhr der Rückkühlgeräte dezentraler Klimageräte in der ohnehin aufgeheizten Innenstadt vermieden wird.

Die umweltfreundliche und CO2-arme Fernkälteversorgung trägt wesentlich zu den ambitionierten Klimaschutzzielen und den Aktivitäten zur Klimaanpassung der Stadt München bei. Das Konzept des Projekts berücksichtigt auch den in Zukunft wachsenden Kältebedarf als Folge des Klimawandels und steigender Komfortansprüche der Kund*innen.

 

Innovative und CO₂-arme Fernkälteversorgung für das Münchner Innenstadtquartier mit Quartiersgrenze des EFRE-Förderprojekts sowie Fernkältenetz (Planungsstand und Fertigstellungsgrad)

Neue Energiewelt

Die Kombination aus Kraft-Wärme-Kopplung, Geothermieanlage, Energiespeicher und regenerativer Fernkälteerzeugung machen den Energiestandort Süd hocheffizient, umweltfreundlich und flexibel steuerbar.

Geplante Standortentwicklung

Geothermie / Wärmestation

  • Regenerative Wärmeerzeugung
  • ca. 75 MWth
  • Inbetriebnahme: Frühjahr 2021
     

Rückbaumaßnahmen

  • Kamin der Hochdruckanlage, Bauteil 4, DeNOx (Rauchgasreinigungsanlage)
  • Rückbau: 2018 – 2020
     

Wärmespeicher

  • Flexibilisierung des Anlagenparks
  • ca. 45.000 m³ Inhalt, 50 m Höhe
  • Bauzeit: 2021 – vsl. 2023

KWK-Anlagen

  • Effiziente, flexible & umweltfreundliche Strom- & Wärmeerzeugung
  • ca. 3-6% höhere Gasturbinenwirkungsgrade
  • Modernisierung GuD2
  • ca. 435 MWth, 430 MWel
  • Bauzeit: 2020 – 2021
  • Erneuerung GuD1
  • ca. 170 MWth, 215 MWel
  • Bauzeit: 2020 – 2022


Fernkälte

  • Effiziente & umweltfreundliche Kälteerzeugung durch freie Kühlung, Absorption, Kompression
  • 1. Bauabschnitt ca. 13 MWth, Endausbau max. 35 MWth
  • Bauzeit 1. Bauabschnitt: 2020 – Frühjahr 2022

So wird der Energiestandort Süd zukünftig aussehen: links das modernisierte HKW Süd, in der Bildmitte der Wärmespeicher und daneben das Technikgebäude, in dem auch die Fernkälte ausgekoppelt wird. (Visualisierung: SWM/SCG Architekten)

Infocontainer am Energiestandort Süd

Sie haben die Möglichkeit, sich im Infocontainer am Tor 3 über die aktuellen Bauvorhaben im Kraftwerk Süd zu informieren. Das Tor 3 befindet sich in der Schäftlarnstrasse 15, gegenüber der Einfahrt zur Großmarkthalle. Der Infocontainer ist werktags zwischen 8 Uhr und 17 Uhr geöffnet.
Achtung: Aktuell ist der Infocontainer pandemiebedingt geschlossen. Voraussichtlich kann er spätestens zum 20.09. wieder geöffnet werden.

Auszeichnungen