Grundwasser-Wärmepumpe mit nur einem Brunnen
22.07.2026 I Im Garten des Hauses für Kinder in der Oselstraße in Pasing entsteht eine Pilotanlage für ein innovatives System für Grundwasser-Wärmepumpen. Anders als bei der bisher üblichen Bauweise benötigt es nur noch einen Brunnen anstatt zwei. Das senkt nicht nur die Kosten, es vereinfacht und beschleunigt die Wärmewende gerade im städtischen Umfeld erheblich.
Wärmewende braucht in Städten neue Lösungen
München meint es ernst mit der Energie- und Wärmewende. Mit ihrem Plan zur Transformation der Wärmeversorgung treibt die Stadt das Thema voran. Der Fokus liegt auf dem Ausbau der Geothermienutzung und der Fernwärme. Abseits von Fernwärmegebieten wird die Elektrifizierung der Wärmeversorgung favorisiert. Nur mit Wärmepumpen oder Nahwärme-Lösungen lassen sich die Emissionen reduzieren und gleichzeitig die Kosten auch zukünftig im Griff behalten.
Die hydrogeologischen Voraussetzungen im Münchner Untergrund sind optimal für Grundwasser-Wärmepumpen, aber mangelnder Platz ist oft eine unüberwindbare Hürde. In München ist rund ein Drittel der städtischen und privaten Grundstücke zu klein für die benötigten zwei Brunnenbohrungen für den Zulauf und Ablauf des Wassers. In vielen Städten sieht es ähnlich aus. Um die Wärmewende dort voranzubringen, braucht es Lösungen, die auch auf engem Raum funktionieren.
Innovation „made in München“
Genau hier setzt das an der TU München entwickelte Einbrunnen-System an. Es überträgt ein Verfahren, das bisher vor allem in geklüfteten Grundwasserleitern oder solchen mit wenig durchlässigen Trennschichten eingesetzt wurde, auf gleichmäßig aufgebaute und gut wasserdurchlässige Grundwasserleiter – wie in der Münchner Schotterebene.
Zudem wurde eine Methode entwickelt, um das Potenzial dieses Systems einzuschätzen. Sie zeigt, dass dafür im Münchner Stadtgebiet ein gutes technisches Potenzial besteht. Damit wird erneuerbare Wärme erstmals auf deutlich mehr Flächen nutzbar und kann über München hinaus als kraftvoller Impulsgeber für die Wärmewende dienen – insbesondere abseits der bestehenden Fernwärme-Infrastruktur.
Einbrunnen-System erleichtert die Umsetzung
Normalerweise benötigt eine Grundwasser-Wärmepumpe zwei Brunnen: Über einen wird das Grundwasser entnommen, über den zweiten wird das Wasser in den Untergrund zurückgeleitet. Damit sich die Brunnen nicht „kurzschließen“, müssen sie einen Mindestabstand haben.
Das Einbrunnen-System verbessert die technische Machbarkeit deutlich, da nur ein einziger Brunnenstandort benötigt wird. Dadurch kann eine Grundwasser-Wärmepumpe auch dort umgesetzt werden, wo herkömmliche Systeme wegen mangelndem Platz oder eingeschränkter Zugänglichkeit bisher nicht umsetzbar waren.
Zudem reduziert der Wegfall des zweiten Brunnens den baulichen Aufwand und führt zu geringeren Investitionskosten. In Summe ist das Einbrunnen-System rund ein Drittel günstiger als die Variante mit zwei Brunnen.
Eine innenliegende Abdichtung im Brunnen verhindert, dass das abgekühlte Wasser direkt wieder in die Entnahmezone zurückströmt. Die relativ hohe natürliche Fließgeschwindigkeit im Grundwasser verhindert, dass das auch nicht großräumiger im Grundwasserleiter passiert.
Grundwasser-Wärmepumpen für einen größeren Kreis
„Mit dem Einbrunnen-System eröffnen wir die Chance, Grundwasser-Wärmepumpen für einen deutlich größeren Kreis umsetzbar und finanzierbar zu machen – und damit die Wärmewende als Ganzes spürbar zu beschleunigen. Dazu haben wir unser umfassendes Know-how in die Planung eingebracht, Genehmigungsprozesse gesteuert und die Projektkoordination übernommen – getragen von einem engagierten Projektteam und einer vertrauensvollen, sehr guten Zusammenarbeit aller Beteiligten.“
Dr. Karin Thelen
SWM Geschäftsführerin Regionale Energiewende
Das Pilotprojekt Oselstraße
In enger Zusammenarbeit von TU München, Stadtwerken München, Landeshauptstadt München und der Brunnenbaufirma BauGrund Süd wird am Haus für Kinder in der Oselstraße in Pasing das Einbrunnen-System getestet.
Zunächst wurden dort Grundwasser-Messstellen errichtet und Pumpversuche durchgeführt, um die hydrogeologischen Bedingungen am Standort wie hydraulische Durchlässigkeit und Wasserchemie zu bestimmen. Dann folgten die Bohrungen für zwei verschiedene Einbrunnen-Systeme, die gegeneinander getestet werden sollen.
Bohrung eines Brunnens für das Pilotprojekt
Foto © Matthias Rothe
Zwei Bauweisen werden getestet
„Auf dem Gelände der Kita errichten wir zwei verschiedene Einbrunnen-Systeme, wobei jedes einzelne deren Bedarf decken kann. Im Rahmen des Pilotprojekts wird ermittelt, welche Bauweise besser geeignet und in der Praxis einfacher umzusetzen ist. Bei dem einen System gibt es innerhalb der Bohrung zwei parallel angeordnete Rohre für Entnahme und Einleitung des Wassers. Die zweite Ausbauvariante ist ein Rohr-in-Rohr-System, das etwas platzsparender ist und auch bei kleineren Bohrdurchmessern zum Einsatz kommen kann.“
Dr. Manuel Gossler
SWM Projektleiter
Inbetriebnahme für 2027 geplant
Nach Abschluss der Bohrarbeiten folgen umfangreiche Tests und Messungen. Die Probeläufe werden eng überwacht, um eine fundierte wissenschaftliche Bewertung der Systeme zu ermöglichen. Dabei kommen unter anderem Sensoren zur Messung von Temperatur und Wasserstand innerhalb der Brunnen zum Einsatz. Zusätzlich sind Tests geplant, um die Hydraulik der Einbrunnen-Systeme detailliert überprüfen zu können, also die Interaktion der Anlagen mit der wasserführenden Schicht.
Die Gesamtinbetriebnahme erfolgt mit Abschluss der Umstellung des Heizungssystems im Jahr 2027. Danach wird die Anlage dann als Gesamtsystem im Betrieb bis 2029 begleitend weiter untersucht.
Perspektive für die ganze Stadt
Das Projekt in Pasing ist ein wichtiger Baustein, um die Wärmewende für möglichst viele Gebäude zugänglich zu machen. Gerade in dicht bebauten Quartieren – die in München einen großen Teil des Stadtgebiets ausmachen – eröffnet das Einbrunnen-System neue Möglichkeiten, um auch unter schwierigen Rahmenbedingungen eine lokale, erneuerbare Wärmeversorgung umzusetzen.