18.07.2022

MVG: Information für die Medien

9-Euro-Ticket: Die MVG zieht Halbzeitbilanz

Halbzeit beim 9-Euro-Ticket – aus diesem Anlass zieht die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) Bilanz. Im Fokus stehen mehr als 1 Millionen verkaufte Tickets, ein leichter Anstieg der Fahrgastzahlen und der besorgte Blick auf die Zeit danach.

„Die gute Nachricht: Nach sieben Wochen 9-Euro-Ticket kennt fast jeder das Angebot und ein Fünftel der Käufer nutzte den öffentlichen Nahverkehr vorher normalerweise nicht“, sagt MVG-Chef Ingo Wortmann.

Laut einer vom Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Deutschen Bahn (DB) beauftragten repräsentativen Umfrage kennen fast 98 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland das 9-Euro-Ticket. Ein Fünftel der Käufer sagt, den öffentlichen Nahverkehr zuvor normalerweise nicht genutzt zu haben und 27 Prozent der Fahrten mit dem 9-Euro-Ticket wären ohne das Angebot gar nicht unternommen worden. Zudem hat sich die Anzahl der Fahrgäste ohne gültigen Fahrschein bei der MVG seit Beginn des Aktionszeitraums am 1. Juni deutlich reduziert – um 75 Prozent von etwa 4 Prozent auf rund 1 Prozent.

Mehr als 1,1 Millionen Tickets verkauft
„Seit dem Verkaufsstart am 22. Mai haben wir mehr als 1,1 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft. Von den gut 710.000 bis Ende Juni verkauften Aktionstickets wurde jedes fünfte digital als HandyTicket erworben“, sagt MVG-Vertriebschefin Alexandra Diessner. Von den restlichen etwa 570.000 gedruckten Tickets, die auch schon im Vorverkauf für die Monate Juli und August erhältlich waren, fiel mit 72 Prozent der Großteil auf den aktuellen Geltungsmonat Juni, mit 22 Prozent gut ein Fünftel auf den Folgemonat Juli und mit 6 Prozent wurden gut 35.000 Tickets für den letzten Aktionsmonat August gekauft. „Zusätzlich zu den Fahrgästen, die ein 9-Euro-Ticket erworben haben, können die etwa 255.000 Abonnenten der MVG ihr reguläres IsarCard-Abo im Aktionszeitraum genauso nutzen, wie ein 9-Euro-Ticket“, so Alexandra Diessner.

Der Verkauf der Fahrkarten des üblichen Angebots ist erwartungsgemäß stark zurückgegangen, aber nicht gänzlich eingebrochen. Im Juni hat die MVG etwa 4.000 IsarCard Wochen- und Monatskarten verkauft – zum Vergleich: Im April wurden etwa 100.000 dieser Zeitkarten verkauft. Der Verkauf von Streifenkarten, Einzelfahrten und Tageskarten ist im Schnitt um etwa 84 Prozent zurückgegangen. Beim IsarCard Abo gibt es keine nennenswerten Auffälligkeiten, die Zahl der Abonnenten schwankt im üblichen Ausmaß.

Leichter Zuwachs an Fahrgästen seit dem 9-Euro-Ticket
„Seit dem ersten Geltungstag des 9-Euro-Tickets am 1. Juni, zählen wir etwa 10 Prozent mehr Fahrgäste mit einer im Juli sogar noch leicht ansteigenden Tendenz. Der überwiegende Anstieg kann sicher auf die Nutzung des Aktionsangebots zurückgeführt werden, unterstützt aber auch durch eine höhere Anzahl an Freizeitangeboten und den Lockerungen der Corona-Maßnahmen“, sagt die Leiterin Mobilitätsentwicklung und Innovation Sinaida Cordes. Die Ergebnisse der aktuell laufenden Umfragen und Studien, die final nach dem Ende der Aktion ausgewertet werden können, werden unter anderem diese Frage noch genauer beantworten. Nach ersten Ergebnissen ist der Hauptgrund für den Kauf eines 9-Euro-Tickets der Preis. Gegen den Kauf entscheiden sich die meisten, weil es keinen Anlass für eine Fahrt gibt, als zweiten Grund geben die bundesweit Befragten umständliche Verbindungen an. 51 Prozent der Befragten würden öfter öffentlich Fahren, wenn an ihrem Wohnort das Angebot an Bussen und Bahnen besser wäre. Ein starkes Argument für den Ausbau des Nah- und Regionalverkehrs.

Die in München neu hinzugekommenen Fahrgäste verteilen sich insbesondere auf die Nebenverkehrszeiten und auf das Wochenende, weniger auf den Pendelverkehr und sind demnach vor allem in ihrer Freizeit unterwegs. „An Werktagen haben wir verglichen mit der Zeit vor Corona mittlerweile etwa 90 Prozent der Fahrgäste in unseren Verkehrsmitteln, an Feiertagen und Wochenenden erreichen wir wieder annähernd das Vor-Corona-Niveau“, so Sinaida Cordes.

Ohne Finanzierungssicherheit drohen Kürzungen
Der finanzielle Ausgleich, den das Bundesverkehrsministerium mit einer Erhöhung der sogenannten Regionalisierungsmittel gemeinsam mit dem Corona-Rettungsschirm für 2022 ausbezahlt hat, beträgt für das 9-Euro-Ticket 2,5 Milliarden Euro und wiegt Mindereinnahmen sowie zusätzliche Leistungen, wie etwa die Anpassung des Vertriebs oder das erhöhte Aufkommen im Kundenservice auf.

„Die Verkehrsunternehmen wurden kurzfristig über die bevorstehende Umsetzung des 9-Euro-Tickets informiert. Wir haben schnell und zuverlässig alles dafür getan, dass die Aktion ein Erfolg werden kann und die Chance gesehen, die Fahrgäste – insbesondere neu hinzugekommene – von der Leistungsfähigkeit des Nahverkehrs zu überzeugen. Nach den ebenso kurzfristigen Anpassungen an die jeweils gültigen Corona-Maßnahmen und die Aufrechterhaltung des Angebots mit nur geringen Einschränkungen in den vergangenen zweieinhalb Jahren, ein erneuter Kraftakt. Die aktuellen Umfrageergebnisse sind eine schöne Bestätigung unserer Kunden dafür, dass wir unsere Arbeit gut machen. Genauso kurzfristig wie wir auf die jeweiligen Gegebenheiten reagiert haben, stehen wir jetzt vor einem ernsten Finanzierungsproblem“, sagt Ingo Wortmann.

Für den gesamten Aktionszeitraum hat die MVG einen Einnahmeausfall von etwa 63 Mio. Euro prognostiziert. Der Juni hat gezeigt, dass die Prognosen sehr nah an der Realität sind. Darin enthalten sind auch die an Abokundinnen und -kunden ausbezahlten Erstattungen – fast 12 Millionen Euro allein für den Monat Juni. Damit hat die MVG deutlich mehr ausbezahlt als eingenommen.

„Ohne den Ausgleich der Einnahmeausfälle und Mehraufwendungen, die das 9-Euro-Ticket verursacht, wäre die Aktion für uns als Verkehrsunternehmen nicht leistbar gewesen. Mit Blick auf die dringend nötige Verkehrswende, müssen wir unser Angebot und die Infrastruktur massiv ausbauen. Der Bund muss jetzt zu seinem Wort stehen und die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Erhöhung der Regionalisierungsmittel in die Tat umsetzen – auch wenn sie im Konflikt mit der beschlossenen Schuldenbremse steht. Dabei ist die aktuelle Entwicklung noch gar nicht mit betrachtet: Personal- und vor allem Energiekosten sind in den letzten Monaten stark gestiegen, das können wir allein nicht stemmen. Auch alle denkbaren Nachfolgeangebote, wie zum Beispiel ein 69-Euro-Ticket, müssen zusätzlich zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und den derzeit massiv steigenden Aufwendungen finanziert werden“, so Ingo Wortmann.

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