Erneuerbare Energien

Wandel in der Energieversorgung in München – ein Herkulesprojekt

29.10.2026 | Viele fragen sich, warum die Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energien so lange dauert – vor allem im Wärmebereich. Hier erfahren Sie, warum die Energie- und Wärmewende Zeit benötigen und warum wir gerade in München schon auf einem guten Weg sind.

Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst

Die SWM sind sich ihrer Verantwortung als Unternehmen, das Treibhausgase ausstößt, sehr bewusst. Deshalb vermeiden und reduzieren wir Treibhausgas-Emissionen: Im Zeitraum 2023 bis 2025 konnte die Emissionsmenge des SWM Konzerns von 11,7 auf 9,0 Millionen Tonnen CO2e reduziert werden.1
1) Berechnet nach dem Operational Control Approach des Greenhouse Gas Protocols.

Dazu setzen wir auf erneuerbare Energien (Sonnenenergie, Wasserkraft, Windkraft, Biomasse und vor allem Geothermie): Seit 2025 können wir bilanziell so viel Strom aus erneuerbaren Energien in eigenen Anlagen produzieren, wie München verbraucht. Um mit dem wachsenden Strombedarf Schritt zu halten, bauen wir die erneuerbaren Energien kontinuierlich weiter aus. Ab spätestens 2040 wollen wir außerdem den Münchner Bedarf an Fernwärme vor allem mithilfe von Tiefengeothermie bereitstellen.

Ausbau der Erneuerbaren Energien

Der Umbau der Strom- und Wärmeversorgung einer Millionenstadt wie München von überwiegend fossilen auf erneuerbare Energien bei laufendem Betrieb ist eine gewaltige Aufgabe und leider nicht auf Knopfdruck machbar. 

Ausstieg aus Kernenergie und Kohle

Zwar haben die SWM eine jahrzehntelange Geschichte mit Wasserkraft und wir nutzen auch schon lange Photovoltaik, Windkraft, Biomasse und Geothermie. Aber bis 2008 überwog die klassisch konventionelle Strom- und Wärmeerzeugung, hauptsächlich aus fossilen Energieträgern und Kernenergie. Ab 2009 haben wir uns auf den Weg gemacht, unsere Stromerzeugung auf erneuerbare Energien umzustellen. Seit 2025 können wir bilanziell so viel Strom aus erneuerbaren Energien in eigenen Anlagen erzeugen, wie München verbraucht.

Aus der Kernenergie sind wir 2023 ausgestiegen und im Herbst 2024, nach einer Verzögerung aufgrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der daraus folgenden Energiekrise, auch aus der Verbrennung von Kohle.

 

Geothermie-Anlage Sauerlach

Fernwärme aus Geothermie

Mühsamer gestaltet sich die Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien. Wir setzen hier überwiegend auf die tiefe Geothermie, die aber Bohrplätze in München und Umgebung voraussetzt, technisch herausfordernd ist und sehr langwierige Genehmigungsverfahren benötigt. Genehmigungsfähige Bohrplätze in München zu finden, hat sich als schwierig herausgestellt.

Zudem ist eine große Zahl an tiefen Bohrungen nötig, um die fossilen Wärmeerzeuger im Münchner Fernwärmenetz, also mit Erdgas betriebene Gas- und Dampfturbinen sowie Heizkessel, nach und nach zu ersetzen. Für eine Bohrung (mit rund 3.000 Metern Tiefe) muss man ein halbes Jahr Bohrzeit ansetzen. All dies führt zu langen Projektzeiträumen. Dazu kommt die Umstellung des Münchner Fernwärmenetzes von Dampf auf Heizwasser, um es fit für die Geothermie zu machen. Dafür müssen hunderte Kilometer Fernwärmeleitung neu verlegt oder umgebaut werden.

Modernisierung des Fernwärmenetzes

Dennoch sind wir schon gut vorangekommen: So haben wir seit 2012 mit unseren Anlagen bereits mehr als 200 Megawatt Erdwärme erschlossen, unter anderem in Riem, Freiham und Sendling sowie im Landkreis München in Sauerlach, Kirchstockach und Dürnhaar. Damit sind wir inzwischen der größte Geothermie-Betreiber in Deutschland. 

SWM Geothermie-Anlagen
Wärmewende

Münchner Transformationsplan

Für die Umstellung der Wärmeversorgung von überwiegend fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien haben wir einen Transformationsplan erarbeitet. Er zeigt auf, wie das Fernwärmesystem und die Wärmeerzeugung weiterentwickelt werden sollen, insbesondere durch den Ausbau der Tiefengeothermie.

Um den Transformationsplan umzusetzen, muss das Fernwärmenetz intensiv verdichtet sowie ausgebaut und modernisiert werden. Die Geothermie in München und Region muss vorangetrieben und es müssen neue Anlagen – zum Teil in Kooperation mit Partnern – errichtet werden.

2024: Erdgas-Umstellung des Blocks 2 im HKW Nord

Bis die Geothermie ausreichend ausgebaut ist, spielt insbesondere für die Wärmeerzeugung der Block 2 des Heizkraftwerks Nord eine wichtige Rolle.

2017 war, auch initiiert durch einen Bürgerentscheid, der Ausstieg des Blocks 2 aus der Kohleverbrennung für das Jahr 2022 festgelegt worden. Dies musste wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der folgenden Gasknappheit verschoben werden. Die ohnehin für den Sommer 2024 geplante Revisionszeit haben wir dafür genutzt, den Block 2 von Kohle auf Gas umzustellen. Dafür mussten die bestehenden Anlagen für den Brennstoffwechsel optimiert werden. Pünktlich zur Heizsaison 2024/2025 haben wir die gasbefeuerte Strom- und Fernwärmeerzeugung aufgenommen. 

Ein kontinuierlicher Grundlastbetrieb des Blocks 2 für die kommenden Jahre ist nicht vorgesehen. Der Block wird überwiegend in den Wintermonaten vor allem für eine sichere Fernwärme-Erzeugung und hier zur Abdeckung der Spitzenlast eingesetzt werden. Außerhalb der Heizperiode wird der Einsatz des Blocks 2 erheblich zurückgehen, da andere Anlagen den Strom- und Fernwärmebedarf effizienter decken können.

Mit dieser Fahrweise sinken die CO₂-Emissionen deutlich: Der Block 2 wird mit der Umstellung bis inklusive 2028 voraussichtlich rund 4,9 Millionen Tonnen CO₂ ausstoßen – das sind eine Million Tonnen weniger als im Kohlebetrieb. Der Münchner Klimarat begrüßt es, dass lokale Treibhausgasemissionen so pro erzeugter Kilowattstunde Strom und Wärme um etwa 40 Prozent reduziert werden könnten.  

Der Block 2 ist laut Bundesnetzagentur nach wie vor systemrelevant und muss daher immer wieder zur Stabilisierung des bayerischen Stromnetzes eingesetzt werden. 

Mit der Umstellung auf Gas und eine saisonal-optimierten Fahrweise schaffen wir den bestmöglichen Kompromiss aus den Forderungen des Bürgerentscheids und den Anforderungen durch die Systemrelevanz.

Am 2. April 2024 erreichte der letzte Kohlezug das Heizkraftwerk Nord. 

Deutschlandweite Strategie zum Kohleausstieg

Die Änderung der Fahrweise von Kohle- auf Gasverbrennung im Block 2 des HKW Nord ist vor dem Hintergrund der deutschlandweiten Verringerung von Kohleverstromung und dem Ausbau erneuerbarer Energien zu sehen.

Die Strategie der Bundesregierung1 setzt dabei vor allem auf den Ausbau erneuerbarer Energien, die zunehmende Elektrifizierung bisher fossil betriebener Anlagen in Wärme, Verkehr und Industrie sowie den Ausbau und die Flexibilisierung der Stromnetze. Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch auf mindestens 80 Prozent steigen. Alle Kohlekraftwerke müssen spätestens 2038 stillgelegt werden. Die Kohleverstromung soll bis dahin schrittweise reduziert werden.

Es wurde beschlossen, dass neue Kraftwerke, die zur Sicherung der Stromversorgung staatlich gefördert werden, wasserstofffähig („hydrogen-ready“) sein müssen und spätestens 2045 die gesetzlichen Anforderungen an einen treibhausgasfreien Betrieb erfüllen müssen. Bereits in den 2030er Jahren sollen die Voraussetzungen für einen verstärkten Einsatz von Wasserstoff in Gaskraftwerken geschaffen werden. Zugleich soll durch mehr Flexibilität im Stromsystem, etwa durch Batteriespeicher, der Bedarf an neuen Kraftwerken reduziert werden.

1 Bundesumweltministerium: Germany’s Roadmap for Transitioning Away from Fossil Fuels


Fazit: Die Umstellung der Energieversorgung von fossilen auf erneuerbare Energien ist ein Herkulesprojekt, das nicht von heute auf morgen zu realisieren ist. Die SWM arbeiten engagiert am Ausbau von Geothermie, Fernwärmeinfrastruktur und erneuerbarer Stromerzeugung und treiben entsprechende Projekte in München und der Region voran –für eine zukunftsfähige und zuverlässige Energieversorgung.

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