Innovative Klimatisierung

Deutschlands größte Fernkälte-Zentrale entsteht in München

23.08.2024 I Angenehmes Raumklima in heißen Sommern: Mit Fernkälte aus Grundwasser oder Stadtbächen kühlen wir Gebäude in München. Unser Fernkältenetz in München ist bereits 23 Kilometer lang und wir bauen es weiter aus. Am Energiestandort Süd in München-Sendling haben wir eine Fernkältezentrale errichtet, um mehr gewerbliche Abnehmer wie Hotels, Bürogebäude und Einzelhandels-Immobilien zu klimatisieren. Im Endausbau wird Kälteleistung von 36 Megawatt erzeugt – das entspricht etwa dem Bedarf von 100 Bürogebäuden. Der Ausbau des Fernkältenetzes macht die neue Fernkältezentrale zur größten in Deutschland.


© Bilfinger

Wasser wird zentral gekühlt und über Rohre in die Gebäude transportiert

Fernkälte funktioniert ähnlich wie Fernwärme: Auch hier wird ein Rohrleitungssystem genutzt, um thermische Energie über Wärmetauscher in die Gebäude zu transportieren. Vom Energiestandort Süd aus soll Wasser mit Temperaturen von 6 bis 10 Grad Celsius in das Fernkältenetz eingespeist werden. In den angeschlossenen Gebäuden nimmt der Wärmetauscher die Energie aus der Gebäudeklimatisierung auf. Das erwärmte Wasser fließt im geschlossenen Kreislauf an den Energiestandort Süd zurück, wird wieder abgekühlt und erneut in den zu kühlenden Gebäuden eingesetzt.

Funktionsweise der Fernkälte
 

Fernkälte für München

Bis zu 70 Prozent weniger Stromverbrauch

Fernkälte nutzt die Kälte von Grundwasser oder von Flüssen. Im Vergleich zur herkömmlichen Kälteerzeugung über dezentrale Hausklimaanlagen (Luftrückkühler) benötigt M‑Fernkälte 50 bis 70 Prozent weniger Strom. Durch eine zentrale Fernkälteversorgung können dezentrale Kühlaggregate vor Ort vermieden werden. Bei Fernkälte wird außerdem keine Abwärme abgegeben – im Gegensatz zu dezentralen Hausklimaanlagen.

Am Energiestandort Süd nutzt die Kältezentrale nutzt unter anderem das kühle Wasser des Isarwerkkanals, um die Fernkälte zu erzeugen. Da es sich um ein geschlossenes System handelt, gibt es keinen unmittelbaren Eingriff in die Wasserökologie. Zudem wird hier in München-Sendling auch die vorhandene Wärme aus Geothermie und Kraft-Wärme-Kopplung zur Fernkälteerzeugung mit genutzt.

Energiestandort Süd

  • Weitere Infos zur EU-Förderung

    Das Projekt „Innovative und CO2-arme Fernkälteversorgung für das Münchner Innenstadtquartier“ wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Insgesamt erhalten die SWM 3,28 Millionen Euro aus diesem Programm. Fördergeber sind die EU (50 Prozent), der Freistaat Bayern (10 Prozent) und die Landeshauptstadt München (40 Prozent kommunaler Eigenanteil).

    Im Rahmen dieses innovativen Projekts errichten die SWM am Energiestandort Süd eine neue Kälteerzeugungsanlage, um in Zukunft zahlreiche Kunden in der Münchner Innenstadt mit Kälte versorgen zu können. Der Energiestandort Süd, an dem die SWM seit vielen Jahren Fernwärme aus hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen und in Zukunft auch aus erneuerbarer Tiefengeothermie erzeugen, bietet beste Voraussetzungen, um Kälte bereitzustellen. Bevorzugt setzen die SWM hier Fließwasser aus dem Isar-Werkkanal und Fernwärme als Antriebsquelle in Absorptionskältemaschinen ein. Zur Abdeckung der Spitzenlasten werden hocheffiziente strombetriebene Kompressionskälteanlagen verwendet. 

    Die Erzeugungsanlage soll 2023 in Betrieb gehen. Ab etwa 2028 wird in den Sommermonaten überschüssige Fernwärme aus Geothermie und Müllverbrennung zur Verfügung stehen.

     

    Zur Kälteeinspeisung verlegen die SWM ein über 6 km langes Transportnetz, das bereits größtenteils fertiggestellt ist. Um die großen Kundenpotenziale in der Münchner Innenstadt zu erschließen, wird der Energiestandort Süd an den beiden Anschlusspunkten in der Nähe Hauptbahnhof und Tal/Marienplatz mit dem bereits bestehenden Fernkältenetz verbunden. Die Trasse dieser neuen Transportleitung führt auch am Areal der Großmarkthalle sowie an städtischen Verwaltungsgebäuden sowie Krankenhäusern vorbei, so dass auch Fernkältekunden entlang der Trasse angeschlossen werden können.

    Das Projekt hat auch städtebaulichen Einfluss: Durch die zentrale Fernkälteversorgung können Rückkühlaggregate auf den Dächern der Innenstadt vermieden werden, welche in ungünstigen Fällen hygienische Probleme (Legionellen) verursachen können. Zudem wird die Wärmeabfuhr der Rückkühlgeräte dezentraler Klimageräte in der Innenstadt vermieden.

    Die Fernkälteversorgung trägt wesentlich zu den ambitionierten Klimaschutzzielen und den Aktivitäten zur Klimaanpassung der Stadt München bei. Das Konzept des Projekts berücksichtigt auch den in Zukunft wachsenden Kältebedarf als Folge des Klimawandels und steigender Komfortansprüche der Kund*innen.

     

    Innovative Fernkälteversorgung für das Münchner Innenstadtquartier mit Quartiersgrenze des EFRE-Förderprojekts sowie Fernkältenetz (Planungsstand und Fertigstellungsgrad)

Rohrleitungsbau mit erfahrenen Dienstleistern

Der Anlagenbau für die neue Kältezentrale erforderte hohe technische Expertise. Bei unseren Großprojekten setzen wir auch auf die Unterstützung erfahrener Dienstleister. Mit der Umsetzung der anspruchsvollen Arbeiten im Rohrleitungsbau war der Industriedienstleister Bilfinger beauftragt.

Die österreichische Einheit Bilfinger Industrial Services GmbH verantwortete unter anderem die Planung und Installation der komplexen Anlagenausrüstung, die zahlreiche Pumpen, Armaturen und Wärmetauscher umfasste. Bei den Arbeiten waren rund 50 Bilfinger-Mitarbeitende vor Ort im Einsatz, um insgesamt 8 Kilometer Rohrleitungen zu montieren und zu verschweißen. Ferner hat das Team uns bei der Inbetriebnahme unterstützt.

Bereits zuvor hatten wir auf die Dienste von Bilfinger Industrial Services Austria vertraut, um am Energiestandort Süd mit einer neuen Geothermie-Anlage – der bislang größten in Deutschland – die Versorgung von 80.000 Münchner*innen mit Fernwärme zu realisieren. Das Unternehmen war dabei unter anderem für den Rohrleitungsbau sowie die Installation der Wärmetauscher verantwortlich.

Bilfinger Industrial Services GmbH

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