21.10.2026 - SWM: Information für die Medien

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, Wissenschaftsminister Markus Blume und Bürgermeisterin Mona Fuchs informieren sich über Seismik-Messkampagne im Rahmen von GIGA-M

Seit Ende August läuft im Großraum München die bislang umfassendste seismische Untersuchung von Geothermiepotenzialen in Deutschland: Mit Hilfe von speziellen Vibrotrucks wird ein durchgängiges dreidimensionales Bild des tiefen Untergrunds in der Region erstellt und damit auch die Möglichkeit für die künftige Nutzung von Erdwärme erforscht. Bei einem Besuch im Münchner Olympiapark haben sich nun der Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume und Münchens Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs über das Verbundforschungsprojekt GIGA-M und den weiteren Ausbau der Geothermienutzung in München und der Region informiert. Das Projekt GIGA-M wird im Rahmen der Fördermaßnahme im 7. Energieforschungsprogramm der Bundesregierung „Innovationen für die Energiewende" durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit Zuwendungen aus dem Sondervermögen „Klima- und Transformationsfonds" gefördert.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil: „Mit unserem 500-Milliarden-Investitionspaket investieren wir in die Zukunft unseres Landes, in Bahnstrecken, Krankenhäuser, Schulen, Kitas - und auch in eine nachhaltige Wärmeversorgung. So lösen wir den Sanierungsstau auf und modernisieren Deutschland. Projekte wie GIGA-M sind genau das, wo wir hinwollen. Wir machen uns unabhängig von alten Energieträgern und ausländischen Energielieferanten. So schaffen wir die Energiewende. Entscheidend ist hierbei für mich, dass Energie damit auf lange Sicht für die Menschen bezahlbar bleibt.“

Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume: „Die Energiezukunft liegt auch unter unseren Füßen! Bayern sitzt auf einem gewaltigen Schatz an Erdwärme – und unsere Spitzenforschung liefert den Schlüssel, um ihn zu heben. Mit GIGA-M machen wir den Untergrund im Großraum München in bislang einzigartiger Dimension sichtbar und schaffen die wissenschaftliche Grundlage, um das enorme Potenzial der Geothermie noch besser zu erschließen. Hier zeigt sich, wie aus exzellenter Forschung konkrete Lösungen für eine sichere, nachhaltige und unabhängige Energieversorgung entstehen. Bayern ist Geothermieland – und die Technische Universität München zeigt gemeinsam mit ihren Partnern, wie daraus ein echter Standortvorteil entsteht. Aus Wissen wird Wärme!“

Bürgermeisterin Mona Fuchs: „Der weitere Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere klimaneutraler Wärme, ist wichtig, um die Stadt krisenfest zu machen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Wir sind zwar schon auf einem guten Weg, haben aber noch viel zu tun. Und wir tun das im engen Schulterschluss mit den Kommunen in der Region. Denn Klimaschutz endet nicht an Stadt- und Gemeindegrenzen. Die Herausforderungen, die vor uns liegen, können wir nur gemeinsam stemmen. GIGA-M ist ein gutes Beispiel, wie regionale Zusammenarbeit für eine bessere Zukunft aussehen kann.“

Dr. Kai Zosseder, TU München / Projektleiter GIGA-M: „Der Geothermie kommt eine wichtige Rolle für die zukünftige Wärmeversorgung in Deutschland zu. Das Potenzial der Tiefengeothermie liegt hier bei bis zu 300 Terawattstunden pro Jahr. Damit könnte die Geothermie rund ein Viertel des deutschen Wärmebedarfs decken. In Deutschland wird ihr großes Potenzial bisher aber noch zu wenig genutzt. Forschungsprojekte wie GIGA-M tragen dazu bei, die Nutzung dieser natürlichen und regionalen Energiequelle voranzubringen und so die Dekarbonisierung im Energiesektor voranzutreiben. GIGA-M liefert die Grundlage für den nächsten großen Schritt der Wärmewende in der Region und somit für die Erreichung der Klimaziele und der Gewährleistung der Versorgungssicherheit.“

Dr. Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM Geschäftsführung: „Die Stadtwerke München sind Pioniere der Tiefengeothermie. 2004 haben wir unsere erste Geothermieanlage in Betrieb genommen. Aktuell bauen wir unsere siebte Anlage, weitere sind in Planung und Vorbereitung. Die Bundesförderung für das Forschungsprojekt GIGA-M und das Geothermiebeschleunigungsgesetz, das seit diesem Jahr in Kraft ist, unterstützen uns bei unserem Ziel, den Münchner Bedarf an Fernwärme ab spätestens 2040 vor allem mithilfe von Tiefengeothermie bereitzustellen. Für die Unterstützung bei der Untersuchung weiterer Potenziale sind wir sehr dankbar.“

Dr. Karin Thelen, SWM Geschäftsführerin Regionale Energiewende: „Mit unserer langjährigen Erfahrung in Entwicklung, Bau und Betrieb von Geothermieanlagen und der engen regionalen Zusammenarbeit im Projekt GIGA-M schaffen wir die Grundlagen, um neue Geothermieprojekte in München und der Region noch gezielter und effizienter umzusetzen und so die sichere, heimische Wärmeversorgung mittels Erdwärme im Großraum München weiter zu erschließen. Schritt für Schritt meistern wir so gemeinsam die Transformation der Wärmeversorgung.“

Die Seismik-Kampagne
Seit Ende August läuft im Großraum München eine großflächige Seismik-Messkampagne. Sie umfasst ein Gebiet von 1.110 Quadratkilometern und mehr als 60 Kommunen in der Region München. Die Federführung haben hierbei die Stadtwerke München und die Energiewende Garching. Ziel ist es, ein durchgängiges dreidimensionales Bild des tiefen Untergrunds zu erstellen und auf Basis der gewonnen Daten die Erdwärmenutzung im Großraum München voranzubringen. Damit können Geothermieprojekte künftig noch effizienter, präziser und koordinierter geplant werden. Im Rahmen von GIGA-M wird mittels der Daten ein geologisches 3D-Modell erstellt, das nach Projektabschluss allen Interessierten im Großraum München über das Bayerische Landesamt für Umwelt kostenlos zur Verfügung gestellt werden wird. 

Die eingesetzte Technik
Vibrotrucks sind Spezialfahrzeuge, die kontrollierte Schwingungen in den Untergrund abgeben. Die an Gesteinsgrenzschichten z.T. reflektierten Signale werden anschließend von tausenden kleinen Messgeräten – sogenannten Geophonen – aufgezeichnet. Aus der Auswertung entsteht ein hochauflösendes dreidimensionales Modell des Untergrunds, vergleichbar mit einem Ultraschallbild der Erde.

Ablauf der Arbeiten
Die Messkampagne wird blockweise durchgeführt. Mehrere Messteams arbeiten parallel und bewegen sich noch bis Ende November von Messpunkt zu Messpunkt durch das Untersuchungsgebiet. Die Arbeiten sind vom Bergamt bei der Regierung von Oberbayern genehmigt. 

Auf der GIGA-M Webseite wird die Mess-Karte kontinuierlich aktualisiert und zeigt, wo Vorarbeiten geplant sind bzw. begonnen haben, wo als nächstes Messungen geplant und wo sie bereits abgeschlossen sind.

Informationen zum aktuellen Fortschritt der Messkampagne gibt es auf der Projekt-Webseite www.giga-m.de/seismik und auf Social Media: https://giga-m.de/linktree

Sorgfältige Planung und Überwachung 
An jedem Messpunkt dauern die Arbeiten lediglich wenige Minuten. Für Anwohnerinnen und Anwohner sind sie meist nur als leichtes Vibrieren wahrnehmbar – vergleichbar mit einem vorbeifahrenden Zug oder einem Schwertransport.
Die ausgeführten Schwingungen liegen innerhalb definierter Anhaltswerte nach DIN-Norm und werden kontinuierlich überwacht. Zusätzlich begleiten Fachkräfte die Arbeiten vor Ort, kontrollieren die Einhaltung aller Vorgaben und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Auch bestehende Infrastruktur wie unterirdische Leitungen wird in die Planungen und Überwachungsmaßnahmen einbezogen. 

Geothermie: Die regionale Superkraft fürs Gelingen der Wärmewende
Die Wärmewende spielt eine entscheidende Rolle beim Klimaschutz, denn mehr als 50 Prozent der gesamten Energie, die in Deutschland verbraucht wird, fließt in die Wärmeversorgung. Studien belegen, dass die Nutzung von Geothermie maßgeblich zum Gelingen der Wärmewende beitragen kann. Diese CO2-freie und regionale Energiequelle entlastet nicht nur das Klima, sie macht auch unabhängiger von Lieferketten und unsicheren Drittländern. 

Im Großraum München sind die geologischen Voraussetzungen für die Nutzung der Erdwärme optimal. Die geothermische Energiequelle ist heißes Thermalwasser aus gut durchlässigen Kalksteinschichten, dem Malm. Um es zum Heizen nutzen zu können, wird es über Tiefbohrungen an die Oberfläche gepumpt und über Wärmetauscher geleitet, wobei ihm die Energie entzogen wird. Abgekühlt wird es über weitere Bohrungen in dieselbe Schicht zurückgeführt – ein nachhaltiger Kreislauf. 
Derzeit wird das Thermalwasserreservoir im Großraum München von verschiedenen Betreibern bereits durch rund 50 Bohrungen mit einer thermischen Gesamtleistung von etwa 400 MW genutzt. Das noch verbleibende Potenzial wird auf mehr als 1.000 MW (> 1 Gigawatt) geschätzt. 

GIGA-M
Das gemeinsame Forschungsvorhaben GIGA-M (Großräumige Integrierte Gesamt-Analyse des tiefengeothermischen Potentials und seiner synergetischen Nutzung im Großraum München) ebnet der regionalen Wärmewende den Weg, weg von fossilen Energieträgern, hin zu einer lokal produzierten, klimaneutralen, sicheren und bezahlbaren Wärmeversorgung. Die Grundlage dafür ist ein regionaler Bodenschatz, eine verlässliche, heimische, erneuerbare Energiequelle. Das Forschungsverbundvorhaben steht auch stellvertretend für die Erkenntnis, dass das Ziel einer intensiven nachhaltigen Nutzung dieses enormen Potenzials nur durch ein gemeinschaftliches und abgestimmtes Vorgehen von Stadt und Kommunen in der Region sowie von Forschung und Wissenschaft erreichbar ist. 

Das Forschungsprojekt GIGA-M wird von der Technischen Universität München (TUM) koordiniert. Neben den SWM und der EWG sind die Energieagentur Ebersberg-München, die Landeshauptstadt München sowie der Landkreis München beteiligt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.
Alle Informationen zum Projekt: www.giga-m.de

 

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