GIGA-M: Groß angelegte Seismik-Messkampagne hat begonnen
Gemeinsame Pressemitteilung Technische Universität München (Lehrstuhl für Hydrogeologie), Landkreis München, Energieagentur Ebersberg-München, Stadtwerke München, LHM Referat für Klima- und Umweltschutz, Energie-Wende-Garching
Unter anderem bei Hofolding war heute der erste von vielen Einsatztagen für die Vibrotrucks. Damit hat die groß angelegte Seismik-Messkampagne im Rahmen des Forschungsprojekts GIGA-M offiziell begonnen. Mehrere Messflotten sind zeitgleich in der Region gestartet. In den kommenden Tagen sind sie hier unterwegs: Dietramszell, Schäftlarn, Egling, Baierbrunn, Holzkirchen, Otterfing, Valley, Brunnthal, Aying, Pullach, Sauerlach, Straßlach-Dingharting, Taufkirchen, Neubiberg, Unterhaching, Grünwald, Oberhaching, Ottobrunn, Forstenrieder Park, Grünwalder und Perlacher Forst.
Es ist die bislang umfassendste seismische Untersuchung eines Geothermiepotenzials in Deutschland. In den kommenden Monaten wird der Untergrund in der Region großflächig erkundet. Ziel ist es, ein durchgängiges dreidimensionales Bild des tiefen Untergrunds zu erstellen und auf Basis der gewonnen Daten die Erdwärmenutzung im Großraum München voranzubringen.
Die eingesetzte Technik
Vibrotrucks sind Spezialfahrzeuge, die kontrollierte Schwingungen in den Untergrund abgeben. Die an Gesteinsgrenzschichten z.T. reflektierten Signale werden anschließend von tausenden kleinen Messgeräten – sogenannten Geophonen – aufgezeichnet. Aus der Auswertung entsteht ein hochauflösendes dreidimensionales Modell des Untergrunds, vergleichbar mit einem Ultraschallbild der Erde.
Nutzen der Messkampagne für alle
Die neuen Daten werden dazu beitragen, Geothermieprojekte künftig noch effizienter, präziser und koordinierter zu planen. Dafür wird GIGA-M auf Basis der erhobenen Seismik-Daten ein geologisches 3D-Modell, das nach Projektabschluss allen Interessierten im Großraum München über das Bayerische Landesamt für Umwelt kostenlos zur Verfügung gestellt werden wird.
Ablauf der Arbeiten
Die Messkampagne wird blockweise durchgeführt. Mehrere Messteams arbeiten parallel und bewegen sich von Messpunkt zu Messpunkt durch das Untersuchungsgebiet. Die Arbeiten sind vom Bergamt bei der Regierung von Oberbayern genehmigt.
Der aktuelle Stand der Planung
Die Messung hat jetzt im südlichen Landkreis München begonnen und arbeitet sich durch den nördlichen Teil des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen sowie Teile der Landkreise Miesbach, Starnberg und Fürstenfeldbruck.
Im September sind die Vibrotrucks in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau sowie in Teilen des westlichen Münchner Stadtgebiets unterwegs.
Ab Oktober werden neben Teilen des nördlichen und östlichen Stadtgebiets München auch der nördliche und östliche Landkreis München sowie die Landkreise Dachau und Freising vermessen.
Dort sowie auch in den Landkreisen Ebersberg und Erding finden dann die abschließenden Messungen statt.
Informationen zum aktuellen Fortschritt der Messkampagne gibt es auf der Projekt-Webseite www.giga-m.de/seismik
Geringe Auswirkungen vor Ort
An jedem Messpunkt dauern die Arbeiten lediglich wenige Minuten. Für Anwohnerinnen und Anwohner sind sie meist nur als leichtes Vibrieren wahrnehmbar – vergleichbar mit einem vorbeifahrenden Zug oder einem Schwertransport.
Die ausgeführten Schwingungen liegen innerhalb definierter Anhaltswerte nach DIN-Norm und werden kontinuierlich überwacht. Zusätzlich begleiten Fachkräfte die Arbeiten vor Ort, kontrollieren die Einhaltung aller Vorgaben und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Auch bestehende Infrastruktur wie unterirdische Leitungen wird in die Planungen und Überwachungsmaßnahmen einbezogen.
Die ausgelegten, empfindlichen Geophone der Firma DMT dienen der Registrierung der reflektierten Schwingungen aus der Tiefe und müssen deshalb während der Messungen an Ort und Stelle verbleiben, denn jeder Messpunkt zählt. Herausgezogene oder beschädigte Geophone bitte unter der Telefonnummer 0172 / 14 14 218 bei der ausführenden Firma (DMT / IPS) melden.
Geothermie: Die regionale Superkraft fürs Gelingen der Wärmewende
Die Wärmewende spielt eine entscheidende Rolle beim Klimaschutz, denn mehr als 50 Prozent der gesamten Energie, die in Deutschland verbraucht wird, fließt in die Wärmeversorgung. Studien belegen, dass die Nutzung von Geothermie maßgeblich zum Gelingen der Wärmewende beitragen kann. Diese CO2-freie und regionale Energiequelle entlastet nicht nur das Klima, sie macht auch unabhängiger von Lieferketten und unsicheren Drittländern.
Im Großraum München sind die geologischen Voraussetzungen für die Nutzung der Erdwärme optimal. Die geothermische Energiequelle ist heißes Thermalwasser aus gut durchlässigen Kalksteinschichten, dem Malm. Um es zum Heizen nutzen zu können, wird es über Tiefbohrungen an die Oberfläche gepumpt und über Wärmetauscher geleitet, wobei ihm die Energie entzogen wird. Abgekühlt wird es über weitere Bohrungen in dieselbe Schicht zurückgeführt – ein nachhaltiger Kreislauf.
Derzeit wird das Thermalwasserreservoir im Großraum München von verschiedenen Betreibern bereits durch rund 50 Bohrungen mit einer thermischen Gesamtleistung von etwa 400 MW genutzt. Das noch verbleibende Potenzial wird auf mehr als 1.000 MW (> 1 Gigawatt) geschätzt.
GIGA-M
Das gemeinsame Forschungsvorhaben GIGA-M (Großräumige Integrierte Gesamt-Analyse des tiefengeothermischen Potentials und seiner synergetischen Nutzung im Großraum München) ebnet der regionalen Wärmewende den Weg, weg von fossilen Energieträgern, hin zu einer lokal produzierten, klimaneutralen, sicheren und bezahlbaren Wärmeversorgung. Die Grundlage dafür ist ein regionaler Bodenschatz, eine verlässliche, heimische, erneuerbare Energiequelle. Das Forschungsverbundvorhaben steht auch stellvertretend für die Erkenntnis, dass das Ziel einer intensiven nachhaltigen Nutzung dieses enormen Potenzials nur durch ein gemeinschaftliches und abgestimmtes Vorgehen von Stadt und Kommunen in der Region sowie von Forschung und Wissenschaft erreichbar ist.
Das Forschungsprojekt GIGA-M wird von der Technischen Universität München (TUM) koordiniert. Neben den SWM und der EWG sind die Energieagentur Ebersberg-München, die Landeshauptstadt München sowie der Landkreis München beteiligt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Alle Informationen zum Projekt: www.giga-m.de
Pressekontakte:
Technische Universität München
(Lehrstuhl für Hydrogeologie)
Dr. Kai Zosseder
089 / 289 25834
kai.zosseder@tum.de
Stadtwerke München (SWM)
Hannes Lindhuber
089 / 2361-5042
presse@swm.de
Landeshauptstadt München
Referat für Klima- und Umweltschutz
Gesine Beste
089 / 233 37950
presse.rku@muenchen.de
Energieagentur Ebersberg-München gGmbH
Bettina Röttgers
presse@ea-ebe-m.de
Landkreis München
Christine Spiegel
089 / 6221-2621
pressestelle@lra-m.bayern.de
Energie-Wende-Garching GmbH & Co KG
Ursula Kremp
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