Münchner Fernwärmepreise im Rahmen der aktuellen Energielage

Die steigenden Fernwärmepreise in München sind in der Diskussion, die Stadtwerke München möchten in diesem Zusammenhang aufklären und einige falsche Eindrücke korrigieren. Denn Preisänderungen bei der Fernwärme erfolgen nach transparenten Regeln und vereinbarten Verträgen.

Die Bedingungen der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV), die unter anderem auch die Ausgestaltung von Preisänderungsklauseln regelt und der darauf beruhenden Ergänzenden Bedingungen (Dokumente als PDF im Downloadcenter unter M-Fernwärme) enthalten Preisänderungsklauseln, nach denen die Preise regelmäßig transparent angepasst werden.  Zum Downloadcenter

Die Preisänderungsklauseln sind entsprechend den gesetzlichen Vorgaben so ausgestaltet, dass sie sowohl die Kostenentwicklung bei Erzeugung und Bereitstellung der Fernwärme (Kostenelement) als auch die jeweiligen Verhältnisse auf dem Wärmemarkt (Marktelement) angemessen berücksichtigen.  

Die in den Preisänderungsklauseln der SWM verwendeten Indizes orientieren sich an den Kosten der SWM für Erzeugung und Bereitstellung der Fernwärme sowie an den derzeitigen Verhältnissen am Wärmemarkt in München, der noch wesentlich durch den Einsatz von Erdgas und Heizöl geprägt ist. Entsprechend den Veränderungen der verwendeten Indizes ändern sich somit auch die Fernwärmepreise. Damit wird der Marktentwicklung möglichst eng gefolgt. Sowohl sinkende Preise als auch steigende, wie man sie derzeit im Markt sieht, werden zeitnah widergespiegelt.  

Über die Änderungen informieren wir unsere Kund*innen quartalsweise.  

Das ist die aktuelle Preisänderungsklausel für den Arbeitspreis für das Versorgungsgebiet München, Unterföhring und Martinsried:  
 

Der Arbeitspreis ändert sich zu 17 % wie der Preis für den Steinkohle-Index, zu 33 % wie der Preis für EEX Gas, zu 33 % wie der Erdgas-Index und zu 17 % wie der Preis für Heizöl Extra Leicht; Erläuterung siehe Ergänzende Bedingungen der SWM Versorgungs GmbH (SWM) für die Versorgung mit Fernwärme im Versorgungsgebiet München Stadt, Martinsried, Unterföhring:

Ergänzende Bedingungen
 

Hier ein Vergleich der einzelnen Bestandteile und deren Entwicklung vom Quartal 2/2021 zum Quartal 2/2022:

 
Q2-2021
Q2-2022
Preissteigerung % 
Arbeitspreis [€/MWh] 
49,28
 129,17  
 162 %
Leichtes Heizöl [€/hl] 
38,73 
 72,07
 86 %
Steinkohle-Index [Index]
95,23 
260,13  
 173 %
Gasindex [Index]     
112,15
 219,70 
96 % 
Gas EEX [€/MWh]     
13,93
 56,39  
305 % 
Grundpreis [€/kW p.a.]
40,21
41,24
3 %
Invest [Index] 
112,76
116,74
4 % 
Lohn [€/Monat]
3.538,32 
3.601,89   
2 %

 

Grundpreis und Arbeitspreis ergeben zusammen den Wärmepreis. Der Grundpreis mildert derzeit die Gesamterhöhung ab, der Wärmepreis stieg also in Summe um 116 % (Q2/21>Q2/22). 

Wir überprüfen die verwendeten Preisänderungsklauseln regelmäßig. Bei Änderungen, etwa in der Struktur der Erzeugung, passen wir die vertraglichen Regelungen entsprechend an (s. auch „Regenerative Fernwärme“ unten). 

Grundsätzliches zu den Fernwärmepreisen 

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat auf dem internationalen Energiemarkt zu massiven Verwerfungen geführt. Dies traf auf einen Markt, auf dem die Energiepreise schon zuvor erheblich gestiegen waren, nachdem sich die Weltwirtschaft von den Corona-Einbrüchen zunehmend erholte. Der Krieg hat nun für weitere, wirklich dramatische Preiserhöhungen, insbesondere bei Gas, Öl und Kohle gesorgt. Damit haben sich auch die Kosten für die Erzeugung von Energie drastisch und unmittelbar erhöht.

Dies hat auch deutliche Auswirkungen auf die Fernwärmeerzeugung und damit auf die Münchner Fernwärmepreise. Waren diese von Mitte 2019 bis Ende 2020 kontinuierlich gesunken, steigen sie seit Anfang 2021 in Reaktion auf die höheren Kosten an den Energiemärkten stark an. 

Auf die Kostensteigerungen an den weltweiten Energiemärkten haben die SWM keinen Einfluss. Die höheren Preise verteuern für sie die Energieerzeugung deutlich. Deshalb schlägt die Weltmarktentwicklung auch auf die Münchner Fernwärmepreise durch. Die SWM bedauern die damit verbundene Belastung ihrer Kund*innen sehr.

Regenerative Fernwärme wird in Preisen berücksichtigt

Die beiden wesentliche Primärenergieträger der Münchner Fernwärme sind derzeit noch Erdgas und Steinkohle. Der Anteil erneuerbarer Energien (Geothermie und thermische Verwertung) an der Münchner Fernwärme liegt aktuell bei rund 15 %. Dieser Anteil soll bis in die 2030er Jahre auf bis zu 70 % steigen.

Der Ausbau der Geothermie reduziert zwar die Abhängigkeit von fossilen Energien, aber sie erfordert sehr hohe Investitionen. Zudem wird die Geothermie derzeit unzureichend gefördert. Perspektivisch könnte der Ausbau der Geothermie zu einer Stabilisierung der Fernwärmepreise beitragen.

Der zunehmende Anteil regenerativer Energien und der schrittweise Abbau des konventionellen Anteils spiegelt sich zukünftig in den Preisänderungsklauseln wider. Unter anderem aus diesem Grund haben Fernwärmekund*innen der SWM bereits Ende März neue Verträge erhalten. In diesen Verträgen, die ab 1.1.2023 gelten, ist das Gewicht fossiler Energieträger entsprechend deutlich reduziert. Dafür werden mit Stromindex, Investitionsgüterindex und Lohn u. a. auch die Einsatzstoffe Geothermie, Müll und Klärschlamm berücksichtigt. Die Umstellung erfolgt auf Basis der Preise vom 1.4.2022.

Hier die Preisänderungsklausel, die ab 1.1.2023 gilt:

Jedes Netz hat eigene Faktoren

Ein Vergleich mit anderen Fernwärmeunternehmen ist zu einem isolierten Zeitpunkt kaum aussagekräftig. Jedes Unternehmen hat eigene Abnahme- und Erzeugungsstrukturen, die in den jeweiligen Preisänderungsklauseln abgebildet werden. Zudem unterscheiden sich die Preisänderungsregelungen, wie etwa die Anpassungszeitpunkte oder die Zeiträume, für die die Indizes bei Anwendung der Preisänderungsklausel berücksichtigt werden. Teilweise werden zudem für CO2-Kosten separate Preisbestandteile verwendet.

Letztlich ist davon auszugehen, dass die Verteuerung der Energie an den Rohstoffmärkten überall zu Preiserhöhungen für die Fernwärme führt: Bei einigen anderen Anbietern in Deutschland haben sich die hohen Energiepreise ebenfalls schon niedergeschlagen, viele andere werden nach und nach folgen.

Gasförderung in Norwegen hat nichts mit Fernwärme zu tun

Teilweise wird der Eindruck erweckt, dass es einen Zusammenhang gäbe zwischen dem Ausstieg der SWM Gasförderbeteiligung Spirit Energy aus dem Norwegengeschäft und den Fernwärmepreisen. Dieser Eindruck führt in die Irre. Zwar ist u.a. der Gaspreis auf den Energierohstoffmärkten wichtig für die Preisgestaltung der Fernwärme. Dies hat allerdings nichts mit dem Engagement der SWM bei der Gasförderung zu tun. Der Gasbedarf der Fernwärme-Erzeugungsanlagen wird am Rohstoffmarkt beschafft und nicht mit der Gewinnung in Norwegen „verrechnet“.

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