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mehrheitlich noch als sauber und sicher

angesehen. Auch den SWM galt sie als

Hoffnungsträger. Und man beschloss,

sich am Kernkraftwerk Isar II in Ohu zu

beteiligen. Dabei spielte auch folgender

Aspekt eine wichtige Rolle: Der Einstieg

in die Atomenergie bedeutete Unabhän-

gigkeit. Hintergrund: Als die Stadt Ende

des 19. Jahrhunderts mit der Elektrifizie-

rung begonnen hatte, war sie im Ver-

gleich mit anderen Metropolen wegen

des Monopols der privaten Gas-Gesell-

schaft spät dran. Daraus hatte sie

gelernt. Dank reichlich vorhandener

Wasserkraft war sie zwar seit der Elektri­

fizierung weit weniger auf den Fremdbe-

zug von Kohle und Gas angewiesen als

andere Städte. Ganz ohne Zukäufe ging

es aber nicht. Denn die Stadt wuchs

rasantunddamitauchihrEnergiebedarf.

Die neue Energiewelt

Jetzt, im 21. Jahrhundert, sind wir

alle klüger. Der Ausstieg aus der

Atomkraft ist politisch entschieden.

Und München setzt auf die erneuer-

baren Energien!

Bereits 2008 starteten die SWM

die Ausbauoffensive Erneuerbare

Energien. Und seit Mai 2015 erzeugen

die SWM so viel Ökostrom aus eige-

nen Quellen, wie alle Münchner

Haushalte sowie Tram und U-Bahn

benötigen. Zum Ökostrom kommt

Öko-wärme: 2040 soll München die

erste Großstadt sein, die Fernwärme

komplett aus erneuerbaren Energien

gewinnen wird – und damit die

Energie-Öko-Metropole

Europas

sein wird.

Mit den Erneuerbaren machen

die SWM München zur

Energie-Öko-Metropole.

Ihr Part war es, die Historie der

Stadtwerke München ab 1945 zu

erforschen. Was waren da die

wichtigsten Schlüsselereignisse?

In der jüngeren Geschichte war die

Änderung der Rechtsform in eine

GmbH eine Zäsur: Aus einer schwer-

fälligen Behörde wurde ein wettbe-

werbsfähiges Unternehmen. Die SWM

waren in den 1990er-Jahren finanziell

marode. Als GmbH wurden sie zum

erfolgreichsten Kommunalunterneh-

men Europas. Die Umstellung war

für viele gewöhnungsbedürftig, aber

wirtschaftlich richtig.

Das Wichtigste hinsichtlich der

kommunalen Versorgung?

Die beiden Energiewenden. Es ist uns

kaum noch bewusst: Aber der Umstieg

von Kohle auf Öl und dann auch auf

Atomkraft in den 60er-Jahren war da-

mals genau so revolutionär wie heute

der zu den erneuerbaren Energien.

Und was steht in Zukunft an?

Nach dem Umstieg der weitere Aus-

bau der erneuerbaren Energien sowie

die Folgen des Ausstiegs aus Ohu: Die

gesamten Atomstrom-Altlasten loszu-

werden, wird noch lange dauern und

ist betriebs- und volkswirtschaftlich

eine große Herausforderung. Beim

Verkehr ist die Erweiterung des inner-

städtischen U-Bahnnetzes wichtig. Es

braucht einen langen Vorlauf, um

einen Kollaps in zehn Jahren zu ver-

hindern. Beim Wasser und den Bädern

steht München gut da. An Bedeutung

gewinnen wird die Kommunikation

in der Stadt: Mit ihr hat sich der kom-

munale Versorgungsbegriff verändert

und wird dies weiter tun. München ist

da technologisch und mit dem Ausbau

des Glasfasernetzes früh dran und

vorne dabei.

DREI FRAGEN AN

DR. PAUL ERKER

Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München

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Werke im Wandel

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