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Der Saubermacher

Gesundes Trinkwasser war

Münchens erstes großes Versor-

gungsprojekt: Damit besiegte

München im 19. Jahrhundert

die Cholera. Die Schlüsselfigur

war dabei der Chemiker Max

von Pettenkofer. Er hatte

unsaubere Böden als Quelle

der Cholera identifiziert: In

ihnen entstünden „Miasmen“,

giftige Gase, die das Wasser

verseuchten. Von 1874 sorgte

er deshalb neben Bürgermeis-

ter Alois von Erhardt und Stadt-

baurat Arnold von Zenetti für

die „hygienische Erneuerung“

der Stadt, ließ Abortgruben

abdichten und einen zentralen

Schlachthof bauen. Am wich-

tigstenwar der Bau des 40 Kilo-

meter langen Leitungssystems,

das von 1883 an sauberes

Trinkwasser aus dem Mang-

falltal nach München brachte.

Das Leben Pettenkofer endete

tragisch: Dass Robert Koch

1884 den Cholera-Bazillus ent-

deckte und ihn damit wider-

legte, verwand er nie. Petten-

kofer erschoss sich 1901.

Der Weichensteller

Nach Ansicht des Historikers

Paul Erker hatte

MVG

Chef

Herbert König in seiner Amts-

zeit von 1992 bis 2012 den

„undankbarsten Job“ inner-

halb der damaligen Stadt­

werke-Spitze. „Wenn Bus oder

Tram Verspätung hatten, war

in der Öffentlichkeit immer

er schuld.“ Und wenn die

S-Bahn, die zur Deutschen

Bahn gehört, im

MVV

Prob-

leme machte, war es König,

der dafür zu Unrecht „Prügel

bezog“. Dabei habe er Enor-

mes geleistet: Er boxte die

MVV

-Reform durch und ent-

lastete seine

MVG

. Unter ihm

stieg die Leistung von U-Bahn,

Bussen und Tram um fast

50 Prozent. Er machte die

Münchner Verkehrsgesellschaft

zum Mobilitätsdienstleister

mit verschiedenen Angeboten,

unter anderem dem Mietrad-

system

MVG

Rad. König stellte

während seiner Dienstzeit die

Weichen für jährlich 566Millio-

nen Fahrgäste auf einem Stre-

ckennetz von 672 Kilometern.

Trinkwasser und

MVV-Reform

Max von Pettenkofer

Herbert König

IN DER NÄCHSTEN AUSGABE:

Kohle, Krisen und Konflikte – der

Weg in die neuen Energiewelten

„manchmal mit dem Kopf durch die

Wand“, sagt Erker. Heftiger Gegen-

wind kam im Stadtrat und in der

Öffentlichkeit nicht nur von der

Opposition, sondern auch aus der

SPD, seiner eigenen Partei. „Zum

Glück hielt ihm OB Christian Ude den

Rücken frei“, sagt Erker. Für ihn ist

Mühlhäuser die „zentrale Figur der

historisch größten organisatorischen

und wirtschaftlichen Reform der

Stadtwerke“:

Der damalige SWM Chef machte

aus dem Versorgungs- einen Ser-

vice-Betriebmit auf denKundenmaß-

geschneiderten Rundum-Angeboten

im Energiebereich und begann mit

dem Einstieg in die Telekommuni­

kation. 2009 begann die flächende-

ckende Glasfasererschließung Mün-

chens. Erker: „Die SWM erkannten

früh, dass die Telekommunikation an

einem Wirtschaftsstandort wie Mün-

chen ein entscheidender Bereich der

kommunalen Versorgung ist. Heute

bieten sie mit ihrer Telekommunika­

tionstochter M-net über die Stadt-

grenzen hinaus die schnellste und

beste Leistung an.“ Unter dem Duo

Mühlhäuser/Ude wurde München

zudem zum „Vorreiter und Vorantrei-

ber“ der Energiewende mit Ökostrom

und Ökowärme.

2015 erreichten die SWM das erste

Ziel ihrer Ausbauoffensive Erneuer-

bare Energien: Sie erzeugten von nun

an so viel Strom aus erneuerbaren

Energien, wie alle Münchner Haus-

halte und die elektrischen Verkehrs-

mittel der MVG verbrauchen – und die

Offensive nahm seitdem noch an Fahrt

auf. Mühlhäuser ging 2012, Ude 2014.

Das Tandemhatte die StadtwerkeMün-

chen zum erfolgreichsten Kommunal-

unternehmen Europas gemacht.

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Werke im Wandel

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