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Eine Fundgrube, nicht nur für

historisch Interessierte: Die

Untersuchung „NetzWerke.

Die Geschichte der Stadtwerke

München“ der Wissenschaft-

ler Professor Dr. Johannes Bähr

von der Goethe-Universität

Frankfurt am Main und Profes-

sor Dr. Paul Erker von der LMU

München, die die Versorgung

der Stadt seit dem ausgehen-

den Mittelalter erforschten, ist

als Buch (20 Euro) und E-Book

(16,99 Euro) im Piper-Verlag,

ISBN 978-3-492-05850-6,

erschienen.

Weitere Infos auch auf:

www.swm.de/historie

Der Maschinenbauingenieur Zell

baute an der Leitzach das damals

größte deutsche Stufenkraftwerk

sowie die Wasserkraftwerke Isar 1, 2

und 3 im Süden Münchens.

„Zell gestaltete den Modernisie-

rungsschub in den 20er-Jahren“, sagt

Bähr. Und betont: „Ohne den Fach-

mann Zell hätte Scharnagl in der kom­

munalen Versorgung nichts zustande

gebracht.“ Scharnagl wusste das. Er

trieb das Geld ein, das Zell für seine

Vorhaben brauchte, und flog, was

damals eine Sensation war, in die

USA. Zurück kam er mit langfristigen

Krediten für seinen kommunalen

Ausbauschub in München, zu dem

auch der Bau eines Gasometers in

Moosach gehörte. 1933 verjagten die

Nazis den resoluten OB. Zell wurde

1938 in den vorzeitigen Ruhestand

gedrängt. In seinen Erinnerungen zog

Scharnagl bitter Bilanz: „Die Städti-

schen Elektrizitätswerke unter der

hervorragenden Leitung von Oberbau-

direktor Zell zogen weitere Wasser-

kräfte zur Kraftgewinnung heran. Die

Wasserwerke […] ergänzten die Trink-

wasserversorgung durch Fassung

neuer Quellen und Anlegung großer

Reserven im Isartal. Die Straßenbahn

erneuerte ihren Wagenpark und

konnte den Gleisbau in der Stadt wei-

ter betreiben.[…] Wir haben in den

Jahren vor 1930 kommunale Einrich-

tungen geschaffen, die den Herren

nach 1933 ermöglichten zu wirtschaf-

ten.“ 1945 holte die amerikanische

Militärregierung das Duo zurück:

„Wie gut, dass sie noch da waren“,

betont Bähr.

Die Visionäre

Große Umbrüche standen der Stadt

und den Stadtwerken München Ende

des 20., Anfang des 21. Jahrhunderts

bevor: Die EU öffnete die Energie-

und Verkehrsmärkte für den Wett­

bewerb, auch städtische Versorger

verloren ihre Monopole. Berlin ver-

ordnete der Energiewirtschaft die

Öffnung der Stromnetze für Energien

anderer Anbieter. Im Jahr 2008 wurde

der Umstieg auf erneuerbare Ener-

gien beschlossen. 1995 hatte Dr. Kurt

Mühlhäuser die Leitung der Stadt-

werke München und damit einen

„defizitären Betrieb mit einem Jahres-

verlust von 135,5 Millionen Mark“

übernommen, blickt der Historiker

Paul Erker zurück. Dem Juristen sei

von Anfang an klar gewesen: Die

SWM konnten auf dem Markt nur

bestehen, wenn „aus einer schwerfäl-

ligen Behörde ein wettbewerbsfähi-

ges Unternehmen“ würde. Mühl-

häuser nahm die Sanierung der

SWM und die Umsetzung (s)einer

Vision für die Münchner Stadt-

werke, aus ihr eine GmbH zu

machen, in Angriff –

Mit ihnen ging es in

die neue Energiewelt:

Dr. Kurt Mühlhäuser

(links) und Christian Ude

(rechts).

BUCHTIPP

Modernisierer in den 20er-Jahren:

Clemens Zell, Leiter der

Städtischen Elektrizitätserke

(links), und Bürgermeister Karl

Scharnagl (rechts).

Werke im Wandel

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